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    Führung und Team · Vertiefung

    Anreize und Entscheidungen: wie Ziele und Boni Verhalten lenken

    Warum dein Zielsystem oft etwas anderes belohnt, als du erreichen willst, und was du prüfst, bevor du ein Ziel setzt.

    Erstellt · Stand · David Rudolph · rund 12 Minuten Lesezeit

    „Umsatz rauf, Marge runter.“ So steht es auf der ersten Folie, die Katrin vor sich hat. Sie leitet den Vertrieb eines Zulieferers für Antriebstechnik, ihr Außendienst bekommt 3 Prozent Provision auf den Umsatz. Die Marge sinkt seit zwei Jahren.

    Im Controlling fällt auf: Die Rabatte steigen, Sonderanfertigungen nehmen zu, Wartungsverträge werden kaum noch verlängert. Niemand im Team verhält sich unredlich. Alle halten sich an die Regeln, die Katrin selbst eingeführt hat.

    Die Geschäftsführung schlägt vor, die Provision einfach auf den Deckungsbeitrag umzustellen. Löst das Katrins Problem, oder tauscht sie nur ein Problem gegen ein anderes?

    Warum entscheiden Mitarbeiter anders, als du willst?

    Weil Delegation immer zwei Parteien mit unterschiedlichem Wissen und unterschiedlichen Interessen verbindet. Michael C. Jensen und William H. Meckling verbanden 1976 im Journal of Financial Economics Agency-Theorie, Eigentumsrechte und Finanzierungstheorie. Sie definierten dort Agency-Kosten und bezogen sie auf die Trennung von Eigentum und Kontrolle.

    Die Agency-Beziehung ist bei ihnen ein Vertrag: Ein Prinzipal beauftragt einen Agenten und überträgt ihm Entscheidungsbefugnis. Weil die Interessen auseinanderlaufen können, entstehen Kosten: für Kontrolle durch den Prinzipal, für Absicherung durch den Agenten und ein Restverlust, der trotz beidem bleibt.

    Der Kern ist Informationsasymmetrie. Katrin sieht den Abschluss, die Verhandlung dahinter sieht sie nicht. Ob ein Rabatt nötig war, weiß nur der Außendienstler.

    Daraus folgt Moral Hazard, das Risiko verdeckten Handelns. Die Königlich Schwedische Akademie der Wissenschaften erklärt es 2016 an der Versicherung: Volle Absicherung lädt zu Sorglosigkeit ein. Im Betrieb heißt das: Wer die Folgen einer Entscheidung nicht trägt, wägt sie anders ab.

    Helmut Laux und Felix Liermann nennen im Untertitel ihres Lehrbuchs „Die Steuerung von Entscheidungen“ ein Grundproblem der Betriebswirtschaftslehre. In seinem Buch „Unternehmensrechnung, Anreiz und Kontrolle“ heißt ein Kapitel „Anreiz und Kontrolle als Instrumente der Entscheidungssteuerung“.

    Wie du Entscheidungen bewusst abgibst und den Rahmen festlegst, beschreibt Entscheidungen delegieren. Wie Akteure ihre Züge am erwarteten Verhalten anderer ausrichten, erklärt die Spieltheorie.

    Was passiert, wenn du A belohnst und auf B hoffst?

    Du bekommst A. So lässt sich der Aufsatz zusammenfassen, den Steven Kerr 1975 im Academy of Management Journal veröffentlichte. Sein Titel fasst die These zusammen: „On the folly of rewarding A, while hoping for B“.

    Ein Beispiel stammt aus der Schadensabteilung einer Versicherung. Gehaltserhöhungen hingen an der Leistung, entfielen aber bei drei oder mehr Fehlzeiten oder Verspätungen in sechs Monaten. Kerrs Fazit: Die Firma hoffte auf Leistung, belohnte Anwesenheit und bekam Anwesenheit.

    In der aktualisierten Fassung von 1995 stellt Kerr typische Paare aus Unternehmen gegenüber:

    Erhofft wirdBelohnt wird
    Langfristiges WachstumQuartalsergebnis
    TeamarbeitEinzelleistung
    Offenheit, schlechte Nachrichten früh meldenGute Nachrichten melden, ob sie stimmen oder nicht
    Ehrgeizige Ziele setzenZiele erreichen, „die Zahlen bringen“

    Das dritte Paar führt direkt zu defensiven Entscheidungen. Wer für gute Nachrichten belohnt wird, meldet Probleme spät.

    Als Ursachen nennt Kerr vier Muster:

    • Fixierung auf ein „objektives“ Kriterium. Zählbare Maßstäbe verdrängen außerhalb vorhersehbarer Bereiche das eigentliche Ziel.
    • Überbetonung sichtbaren Verhaltens. Belohnt wird, was leicht zu beobachten ist.
    • Heuchelei. Manche Belohnende wollen insgeheim genau das Verhalten, das sie belohnen.
    • Moral oder Gleichbehandlung vor Wirkung. Andere Werte überlagern ein System, das auf Ergebnisse zielt.

    Vier Nebenwirkungen eines Bonus auf eine Kennzahl

    Falsches Ziel belohnt

    Belohnt wird A, erhofft wird B. Die Leute liefern A (Kerr 1975)

    Ungemessenes leidet

    Aufwand wandert zu den Aufgaben, die gemessen werden (Holmström und Milgrom 1991)

    Kennzahl kippt

    Unter Steuerungsdruck verzerrt die Zahl das, was sie messen soll (Campbell, Goodhart)

    Motivation verschiebt sich

    Geld kann eigene Motivation schwächen oder stärken (Frey und Jegen 2001)

    Bonus auf eine Kennzahl
    Jede Nebenwirkung ist ein Risiko, keine Gewissheit.
    Daten als Tabelle
    NebenwirkungWas passiertQuelle
    Falsches Ziel belohntBelohnt wird A, erhofft wird B, geliefert wird AKerr 1975
    Ungemessenes leidetAufwand wandert zu den gemessenen AufgabenHolmström und Milgrom 1991
    Kennzahl kipptDie Zahl verzerrt den Prozess, den sie messen sollCampbell, Goodhart
    Motivation verschiebt sichEigene Motivation kann sinken oder steigenFrey und Jegen 2001

    Warum leiden die Aufgaben, die niemand misst?

    Weil Zeit und Kraft begrenzt sind und zum Bonus fließen. Bengt Holmström und Paul Milgrom haben das 1991 als Multitasking-Problem formalisiert. Die meisten Stellen bestehen aus mehreren Aufgaben, und nur manche lassen sich gut messen.

    Die Schwedische Akademie der Wissenschaften, die Holmström 2016 zusammen mit Oliver Hart auszeichnete, nennt das Beispiel einer Lehrkraft. Hängt ihr Gehalt an Testergebnissen, verwendet sie zu wenig Zeit auf schwer messbare Fähigkeiten wie Kreativität und selbstständiges Denken. Ein festes Gehalt würde den Aufwand ausgewogener verteilen.

    Daraus folgt ein unbequemer Befund: Wenn wichtige Aufgaben schwer zu messen sind, können schwache Gesamtanreize besser sein als starke. Holmström selbst fasste es so zusammen: Bei Anreizen gehe es um mehr als Bezahlung, es gehe auch um die Gestaltung der Arbeit.

    Ein zweiter Befund betrifft das Risiko. In Branchen mit hohem Risiko sollte die Vergütung nach der Akademie eher zum Festgehalt neigen. Das Ergebnis hängt dort stärker vom Zufall ab.

    Bei Katrin ist der Wartungsvertrag die ungemessene Aufgabe. Er bringt wenig Umsatz im Abschluss, aber Bindung und planbare Erträge. Die Provision auf Umsatz macht ihn für den Außendienst unattraktiv.

    Wenn die Kennzahl selbst kippt

    Donald T. Campbell formulierte die Warnung 1979 in Evaluation and Program Planning. Je stärker eine quantitative Kennzahl für Entscheidungen genutzt wird, desto stärker gerät sie unter Verzerrungsdruck. Sie verfälscht dann die Prozesse, die sie überwachen soll.

    Campbells Beispiel sind Leistungstests in Schulen. Unter normalem Unterricht sind sie brauchbare Indikatoren. Werden die Testergebnisse zum Ziel des Unterrichts, verlieren sie diesen Wert.

    Der Ökonom Charles Goodhart schrieb 1975 über britische Geldpolitik: Jede beobachtete statistische Regelmäßigkeit neige zum Zusammenbruch, sobald sie zur Steuerung genutzt wird. Die bekannte Kurzform „Wenn ein Maß zum Ziel wird, hört es auf, ein gutes Maß zu sein“ findet sich 1997 bei der Anthropologin Marilyn Strathern. Sie bezieht sich dabei auf Keith Hoskin.

    Wie Maßnahmen Gegenreaktionen auslösen und warum die bekannte Kobra-Geschichte als Anekdote gilt, behandelt Second-Order Thinking.

    Verdrängt Geld die eigene Motivation?

    Manchmal ja, manchmal stärkt es sie, und oft wirken beide nebeneinander.

    Ein Feldexperiment dazu stammt von Uri Gneezy und Aldo Rustichini. In zehn privaten Kindertagesstätten in Haifa führten sie 1998 in sechs Einrichtungen eine Strafgebühr für zu spät kommende Eltern ein. Die Gebühr betrug 10 Schekel pro Kind für eine Verspätung ab zehn Minuten.

    Die Zahl der Verspätungen stieg und pendelte sich auf fast dem doppelten Ausgangsniveau ein. Nach Abschaffung der Gebühr blieb sie hoch. Der Titel der Studie fasst die Deutung zusammen: Eine Strafe ist ein Preis.

    Bruno S. Frey und Reto Jegen werteten 2001 Labor- und Feldstudien aus Psychologie und Ökonomie aus. Sie fanden Belege für Verdrängung und für das Gegenteil, eine Stärkung der eigenen Motivation. In einzelnen Fällen kann die Verdrängung den üblichen Preiseffekt sogar übertreffen.

    Ein differenzierteres Bild liefert die Metaanalyse von Cerasoli, Nicklin und Ford (2014): Eigene Motivation und äußere Anreize sagten Leistung gemeinsam vorher. Anreize hingen stärker mit der Menge zusammen, eigene Motivation stärker mit der Qualität. Bei direkt leistungsabhängigen Anreizen war eigene Motivation für die Leistung weniger wichtig.

    Praxisbeispiel: Provision auf Umsatz oder auf Deckungsbeitrag?

    Die Umstellung auf den Deckungsbeitrag löst Katrins Rabattproblem, lässt aber das Multitasking-Problem offen. Sie braucht deshalb eine zweite Stellschraube.

    Ausgangslage. Außendienstler Jonas kann im Quartal nur eines von zwei Projekten durchbringen, weil beide dieselbe Konstruktionszeit binden. Projekt A ist eine Sonderanfertigung, der Kunde verlangt 15 Prozent Rabatt. Projekt B ist eine Serienbestellung mit 3 Prozent Rabatt.

    Projekt A: SonderanfertigungProjekt B: Serie
    Listenpreis220.000 Euro160.000 Euro
    Rabatt15 % = 33.000 Euro3 % = 4.800 Euro
    Umsatz187.000 Euro155.200 Euro
    Variable Kosten150.000 Euro110.000 Euro
    Deckungsbeitrag37.000 Euro45.200 Euro
    Provision 3 % auf Umsatz5.610 Euro4.656 Euro
    Provision 15 % auf Deckungsbeitrag5.550 Euro6.780 Euro

    Mit Umsatzprovision verdient Jonas an Projekt A rund 950 Euro mehr. Für den Betrieb bringt Projekt B 8.200 Euro mehr Deckungsbeitrag. Jonas handelt rational, nach Katrins Regel.

    Der Rabatt zeigt die Schieflage am deutlichsten. Gibt Jonas 10.000 Euro Rabatt, kostet ihn das 300 Euro Provision. Den Betrieb kostet es 10.000 Euro Deckungsbeitrag.

    Mit 15 Prozent Provision auf den Deckungsbeitrag lohnt sich für Jonas Projekt B, mit 6.780 statt 5.550 Euro. Jeder Rabatt kostet ihn jetzt 15 Prozent seines Betrags, bei 10.000 Euro also 1.500 Euro.

    Was die Umstellung nicht löst. Der Wartungsvertrag bleibt ungemessen und bringt Jonas weiterhin wenig. Jonas trägt zusätzlich Risiken, die er nicht steuert, etwa schwankende Materialkosten in den variablen Kosten.

    Katrins Lösung (Ergänzung von T1Leaders): Provision auf den Deckungsbeitrag mit festen Standardkosten je Produkt, damit Materialschwankungen Jonas nicht treffen. Ein Teil der variablen Vergütung hängt an Verlängerungen von Wartungsverträgen. Sie testet das Modell zwei Quartale in einer Region, bevor sie es ausrollt.

    Was prüfst du, bevor du ein Ziel setzt?

    Fünf Fragen decken die meisten Nebenwirkungen auf. Sie übertragen die Befunde von Kerr, Holmström und Milgrom sowie Campbell in eine Prüfroutine. Die Zusammenstellung ist eine Ergänzung von T1Leaders.

    Fünf Prüffragen vor einem Ziel mit Bonus

    1. Misst die Kennzahl das, was du eigentlich willst?

      Ja

      Weiter mit Frage 2

      Nein

      Kennzahl ändern. Sonst belohnst du A und hoffst auf B

    2. Bleiben wichtige Aufgaben der Stelle ungemessen?

      Ja

      Bonus schwächer ansetzen oder die Aufgaben anders verteilen

      Nein

      Weiter mit Frage 3

    3. Lässt sich die Zahl erreichen, ohne das Ziel zu erreichen?

      Ja

      Zweite Größe als Gegengewicht ergänzen und Stichproben prüfen

      Nein

      Weiter mit Frage 4

    4. Hängt das Ergebnis stark von Zufall oder anderen ab?

      Ja

      Mehr Festgehalt, weniger variabler Anteil

      Nein

      Weiter mit Frage 5

    5. Machen die Leute die Aufgabe heute schon aus eigenem Antrieb gut?

      Ja

      Vorsicht mit Geld. Anerkennung und Spielraum prüfen

      Nein

      Anreiz testen, Wirkung nach einem Quartal messen

    Grundlage sind Kerr, Holmström und Milgrom, Campbell sowie Frey und Jegen. Reihenfolge und Folgerungen: Ergänzung von T1Leaders.
    Daten als Tabelle
    PrüffrageBei JaBei Nein
    Misst die Kennzahl das, was du eigentlich willst?Weiter mit Frage 2Kennzahl ändern
    Bleiben wichtige Aufgaben ungemessen?Bonus schwächer ansetzen oder Aufgaben anders verteilenWeiter mit Frage 3
    Lässt sich die Zahl ohne das Ziel erreichen?Gegengewicht ergänzen, Stichproben prüfenWeiter mit Frage 4
    Hängt das Ergebnis stark von Zufall oder anderen ab?Mehr FestgehaltWeiter mit Frage 5
    Machen die Leute die Aufgabe schon aus eigenem Antrieb gut?Vorsicht mit GeldAnreiz testen und messen

    Bei Zielen für ein ganzes Team kommt eine Frage hinzu: Belohnt das System Einzelleistung, wo du Zusammenarbeit brauchst? Wie Teams gemeinsam gute Entscheidungen treffen, beschreibt Entscheidungen im Team.

    Typische Fehler

    Welche Fehler machen Anreize zur Falle?

    • Den Leuten die Schuld geben. Wer tut, was belohnt wird, handelt folgerichtig. Prüfe zuerst das System.
    • Nur das Messbare belohnen. Pflege, Qualität und Zusammenarbeit verlieren dann an Aufmerksamkeit.
    • Eine einzige Kennzahl. Sie lädt dazu ein, die Zahl auf Kosten des Ziels zu erreichen. Ergänze ein Gegengewicht.
    • Ergebnis mit Entscheidung verwechseln. Ein Bonus auf das Ergebnis belohnt auch Glück und bestraft Pech. Mehr dazu unter Outcome Bias.
    • Strafen als Abschreckung sehen. Eine Gebühr kann als Preis gelesen werden, wie die Kita-Studie zeigt.

    Grenzen

    Wo stoßen die Modelle an Grenzen?

    • Modelle zeigen Richtungen. Die Arbeiten von Jensen und Meckling sowie Holmström und Milgrom sind Theorie. Sie sagen, wohin ein Anreiz zieht, nicht wie stark in deinem Betrieb.
    • Recht und Mitbestimmung gehen vor. Vergütungsregeln können arbeitsrechtliche Vorgaben, Tarifverträge oder Mitbestimmungsrechte berühren. Kläre das mit Personalabteilung und Arbeitnehmervertretung, bevor du etwas änderst.

    Gegenmittel

    So setzt du Anreize mit Bedacht

    1. Erhofftes und Belohntes nebeneinanderschreiben. Liste für eine Stelle auf, was du dir wünschst und was das System tatsächlich belohnt.
    2. Alle Aufgaben der Stelle sammeln. Markiere, welche davon gemessen werden und welche nicht.
    3. Den Bonus gegen Ausnutzen testen. Spiel durch, wie jemand die Zahl ohne dein Ziel erreichen könnte.
    4. Gegengewicht einbauen. Ergänze zur Hauptkennzahl eine Größe, die den naheliegenden Trick sichtbar macht.
    5. Zufall herausrechnen. Halte Einflüsse, die die Person nicht steuert, aus der variablen Vergütung heraus.
    6. Klein starten und nachmessen. Teste Änderungen zuerst in einem Bereich. Prüfe nach einem Quartal gemessene und ungemessene Aufgaben.

    Situationsfrage

    Situationsfrage · Der Bonus für schnelle Ticketbearbeitung

    1. Der IT-Support eines Versicherers soll schneller werden. Der Bereichsleiter schlägt einen Bonus pro geschlossenem Ticket vor. Was tust du als Teamleiter zuerst?

      1. ADu führst den Bonus ein. Mehr geschlossene Tickets bedeuten schnelleren Support.
      2. BDu prüfst, wie sich die Zahl ohne besseren Support erhöhen ließe, und ergänzt ein Gegengewicht, etwa wieder geöffnete Tickets.
      3. CDu lehnst den Bonus ab, weil Geld die Freude am Helfen verdrängt, und setzt auf ein Teamziel ohne Prämie.
      Auflösung anzeigen

      Antwort B. B prüft die Kennzahl auf Ausnutzen und baut ein Gegengewicht ein. A übersieht, dass sich Tickets aufteilen oder vorschnell schließen lassen. C stützt sich auf eine Pauschalaussage, die die Studienlage nicht trägt.

    Häufige Fragen

    Was ist das Prinzipal-Agent-Problem einfach erklärt?

    Jemand gibt eine Aufgabe ab und kann nicht vollständig sehen, wie sie erledigt wird. Die beauftragte Person weiß mehr und hat eigene Interessen. Anreize und Kontrolle sollen diese Lücke verkleinern, schließen sie aber nie ganz.

    Sind variable Vergütungen grundsätzlich schlecht?

    Nein. Sie wirken gut, wenn die Kennzahl das eigentliche Ziel abbildet, wenige ungemessene Aufgaben existieren und das Ergebnis vor allem von der Person abhängt. Je weiter eine Stelle davon entfernt ist, desto vorsichtiger solltest du sie einsetzen.

    Quellen

    1. Jensen, M. C. und Meckling, W. H. (1976). Theory of the Firm: Managerial Behavior, Agency Costs and Ownership Structure. Journal of Financial Economics, 3(4), 305 bis 360. SSRN-Abstract.
    2. Pava, M. L.: Financial agency theory. Britannica Money. Agency-Beziehung als Vertrag, Kontrollkosten, Absicherungskosten, Restverlust nach Jensen und Meckling.
    3. Kerr, S. (1975). On the folly of rewarding A, while hoping for B. Academy of Management Journal, 18, 769 bis 783. Neuauflage mit Aktualisierungen: Academy of Management Executive, 9(1), 1995. PDF der Neuauflage.
    4. Holmström, B. und Milgrom, P. (1991). Multitask Principal-Agent Analyses: Incentive Contracts, Asset Ownership, and Job Design. The Journal of Law, Economics, and Organization, 7 (Sonderheft), 24 bis 52. Oxford Academic.
    5. Königlich Schwedische Akademie der Wissenschaften (2016). Popular information: The Prize in Economic Sciences 2016. NobelPrize.org. Multitasking, Lehrkräfte-Beispiel, Risiko, Moral Hazard.
    6. Dizikes, P. (2016). MIT economist Bengt Holmström wins Nobel Prize. MIT News, 10. Oktober 2016.
    7. Campbell, D. T. (1979). Assessing the impact of planned social change. Evaluation and Program Planning, 2(1), 67 bis 90. Zitiert nach Wikipedia: Campbell's law. Fassung von 1976 nachgedruckt im Journal of MultiDisciplinary Evaluation, 7(15), 2011.
    8. Goodhart, C. (1975). Problems of Monetary Management: The UK Experience. Papers in Monetary Economics, Vol. 1, Reserve Bank of Australia. Strathern, M. (1997). „Improving ratings“: audit in the British University system. European Review, 5(3), 305 bis 321. Beides zitiert nach Wikipedia: Goodhart's law.
    9. Gneezy, U. und Rustichini, A. (2000). A Fine is a Price. The Journal of Legal Studies, 29(1), 1 bis 17. Volltext (PDF).
    10. Frey, B. S. und Jegen, R. (2001). Motivation Crowding Theory. Journal of Economic Surveys, 15(5), 589 bis 611.
    11. Cerasoli, C. P., Nicklin, J. M. und Ford, M. T. (2014). Intrinsic motivation and extrinsic incentives jointly predict performance: a 40-year meta-analysis. Psychological Bulletin, 140(4), 980 bis 1008. Autorenangabe nach Science for Work.
    12. Laux, H. und Liermann, F. (2005). Grundlagen der Organisation: Die Steuerung von Entscheidungen als Grundproblem der Betriebswirtschaftslehre. 6. Auflage, Springer.
    13. Laux, H. (2006). Unternehmensrechnung, Anreiz und Kontrolle: Die Messung, Zurechnung und Steuerung des Erfolges als Grundprobleme der Betriebswirtschaftslehre. 3. Auflage, Springer. Leseprobe mit Vorwort und Inhaltsverzeichnis.

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