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Denkfehler · Vertiefung

Outcome Bias

Warum ein glücklicher Ausgang eine schwache Entscheidung klug aussehen lässt und wie du das Vorgehen fair bewertest.

Stand · David Rudolph · rund 6 Minuten Lesezeit

Montag, Monatsbesprechung einer Bäckereikette mit 30 Filialen. Die Einkaufsleiterin Nadine hat im Frühjahr den Mehlpreis für zwölf Monate fest vereinbart. Damals schwankten die Preise stark, und ein Anstieg hätte die Kalkulation gesprengt.

Jetzt ist der Marktpreis gefallen. Die Kette zahlt mehr als die Konkurrenz. Der Geschäftsführer sagt: „Das war eine teure Fehlentscheidung.“ War es das?

Beispiel frei erfunden.

Wie wirkt der Outcome Bias?

Der Outcome Bias wirkt, weil das Ergebnis die einzige Information ist, die alle sehen. Was die Person beim Entscheiden wusste und wie sie abgewogen hat, liegt im Dunkeln. Also urteilen wir nach dem, was sichtbar ist.

Ein Bild aus dem Alltag: Zwei Freunde fahren nach einer Feier mit dem Auto heim, beide mit zu viel Alkohol im Blut. Einer kommt an, einer verursacht einen Unfall. Die Entscheidung war bei beiden gleich schlecht. Verurteilt wird meist nur einer.

Bei Nadine verdeckt der gefallene Preis drei Fragen. Was wusste sie im Frühjahr über die Preisentwicklung? Welches Risiko konnte die Kette tragen? Und war die Absicherung als Schutz gedacht oder als Wette auf steigende Preise? Eine Absicherung, die Schwankungen begrenzen soll, hat ihre Aufgabe auch dann erfüllt, wenn der Preis fällt.

Ein Ergebnis hängt immer an zwei Dingen: an der Entscheidung und am Zufall. Wer nur das Ergebnis sieht, kann beides nicht trennen.

MerksatzEin Ergebnis ist eine Stichprobe von eins. Es sagt wenig darüber, wie gut entschieden wurde.

Was zeigten Baron und Hershey?

Baron und Hershey zeigten, dass Menschen dieselbe Entscheidung besser bewerten, wenn sie gut ausgeht. Das gilt sogar dann, wenn sie selbst sagen, dass der Ausgang keine Rolle spielen sollte.

In ihrem Versuch von 1988 lasen Teilnehmende Fälle, in denen ein Arzt oder ein Patient über eine Operation entschied. Die Informationen vor der Entscheidung waren jeweils gleich. Nur der Ausgang wechselte: Erfolg oder Misserfolg. Bewertet werden sollte allein die Qualität der Entscheidung.

Wie unterscheidet sich der Outcome Bias von ähnlichen Begriffen?

Der Outcome Bias betrifft die Bewertung einer Entscheidung. Der nah verwandte Rückschaufehler betrifft die Frage, wie vorhersehbar der Ausgang war.

BegriffWas er beschreibtVerhältnis zum Outcome Bias
Outcome BiasEine Entscheidung wird allein nach ihrem Ergebnis bewertet.der Denkfehler, um den es auf dieser Seite geht
RückschaufehlerNach dem Ergebnis wirkt es vorhersehbarer, als es vorher war.verstärkt den Outcome Bias: Was absehbar wirkt, hätte man vermeiden müssen
Survivorship BiasMan sieht nur die Fälle, die überlebt haben.Outcome Bias über viele Fälle: Erfolgreiche Wege wirken klug, gescheiterte fehlen im Bild
FehlentscheidungEine Entscheidung, die mit dem damaligen Wissen schlecht begründet war.kann gut ausgehen. Gute Entscheidungen können schlecht ausgehen

Wie du ein schlechtes Ergebnis auseinandernimmst, ohne Pech mit Fehler zu verwechseln, zeigt die Seite Fehlentscheidungen verstehen und daraus lernen.

Wann darf das Ergebnis trotzdem zählen?

Das Ergebnis darf zählen, wenn es viele vergleichbare Entscheidungen gibt. Über viele Fälle gleicht sich der Zufall aus, und das Vorgehen zeigt sich in der Bilanz. Eine einzelne Entscheidung erlaubt diesen Schluss kaum.

Wer zehn Jahre lang Preise absichert, kann prüfen, ob die Kette dadurch ruhiger kalkulieren konnte. Ein einzelnes Jahr mit fallendem Preis sagt darüber wenig. Auch ein Ergebnis, das niemand für möglich gehalten hat, ist ein Hinweis: Vielleicht fehlte eine wichtige Information, die man hätte haben können.

Organisationale Grenze: Bonus für Glück. Manche Unternehmen belohnen Ergebnisse und prüfen das Vorgehen nur, wenn etwas schiefgeht. Wer Glück hatte, wird befördert. Wer vorsichtig und gut entschieden hat, aber Pech hatte, wird gebremst. Das lehrt alle, auf Glück zu setzen. Schutz im Prozess: Größere Entscheidungen bekommen vorher eine kurze Notiz mit Annahmen und Risiken. Bewertet wird später das Vorgehen anhand dieser Notiz, das Ergebnis nur über viele Fälle.

Gegenmittel

So bewertest du Entscheidungen fair: vier Schritte

  1. Rekonstruiere das Wissen von damals. Was war bekannt, was nicht, was hätte man mit vertretbarem Aufwand erfahren können?
  2. Prüfe das Vorgehen. Wurden Optionen verglichen, Risiken benannt, Einwände gehört?
  3. Schätze den Anteil des Zufalls. Hätte dasselbe Vorgehen bei anderem Verlauf ein gutes Ergebnis gebracht?
  4. Halte Entscheidungen vorher fest. Eine Notiz im Entscheidungsjournal macht die spätere Bewertung möglich.

Situationsfrage

  1. Ein Vertriebsleiter hat einen Großkunden mit einem hohen Rabatt gewonnen. Ein Jahr später geht der Kunde insolvent, offene Rechnungen fallen aus. Im Rückblick fordert die Geschäftsführung Konsequenzen. Welche Frage hilft am meisten?

    1. A„Wie hoch ist der Schaden?“
    2. B„Welche Informationen zur Zahlungsfähigkeit lagen beim Abschluss vor, und wurde die übliche Bonitätsprüfung gemacht?“
    3. C„Sollten wir künftig keine Großkunden mehr mit Rabatt gewinnen?“
    Auflösung anzeigen

    Antwort B. Antwort A misst nur das Ergebnis. Antwort C zieht eine Regel aus einem einzelnen Ausgang. Antwort B prüft, ob das Vorgehen mit dem damaligen Wissen in Ordnung war.

Häufige Fragen

Was ist der Outcome Bias auf Deutsch?

Outcome Bias heißt Ergebnisverzerrung oder Ergebnisfehler. Gemeint ist die Neigung, eine Entscheidung nach ihrem Ausgang zu beurteilen und das Wissen und Vorgehen beim Entscheiden zu übergehen.

Was ist ein Beispiel für den Outcome Bias im Sport?

Ein Trainer wechselt in der Schlussminute einen Stürmer ein, der sofort trifft. Er gilt als genial. Verschießt der Stürmer, gilt derselbe Wechsel als Fehler. Die Entscheidung war in beiden Fällen dieselbe.

Wie vermeide ich den Outcome Bias in Mitarbeitergesprächen?

Bewerte neben den Zahlen auch die Entscheidungen, die vorab dokumentiert wurden. Frage nach den Annahmen und danach, wie die Person mit neuen Informationen umgegangen ist. Ein verfehltes Ziel nach gutem Vorgehen ist anders zu werten als ein erreichtes Ziel nach Glück.

Wie hängen Outcome Bias und Rückschaufehler zusammen?

Der Rückschaufehler lässt ein Ergebnis im Nachhinein vorhersehbar wirken. Der Outcome Bias lässt die Entscheidung danach gut oder schlecht wirken. Zusammen erzeugen sie den Satz: „Das hätte man doch wissen müssen.“

Quellen

  1. Baron, J. und Hershey, J. C. (1988). Outcome bias in decision evaluation. Journal of Personality and Social Psychology, 54(4), 569-579. PDF
  2. Aiyer, S., Kam, H. C., Ng, K. Y., Young, N. A., Shi, J. und Feldman, G. (2023). Outcomes affect evaluations of decision quality: Replication and extensions of Baron and Hershey's (1988) outcome bias experiment 1. International Review of Social Psychology, 36, 12. PMC

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