Resilienz · Grundlage
Resilienz: Bedeutung, Faktoren und Training
Was Resilienz bedeutet, was die Forschung über sie weiß, welche Faktoren sie stärken, was Training bewirkt und wie Belastbarkeit im Führungsalltag aussieht.
Montag, 8:00 Uhr. Katrin führt ein Messebauunternehmen mit 60 Beschäftigten. Hinter ihr liegt die dichteste Saison seit Jahren: vier Großmessen in sieben Wochen, Nachtschichten beim Aufbau, ein Lieferant, der kurzfristig ausfiel.
Die Messen liefen gut. Doch Katrin schläft seit Wochen schlecht, reagiert gereizt und hat zum ersten Mal überlegt, alles hinzuwerfen. Zwei Projektleiter haben sich krankgemeldet. Im Frühjahr steht die nächste Saison an.
Ihr Personalleiter schlägt ein Resilienztraining für alle vor. Katrin ist unsicher, ob das hilft. Oder ob das Problem woanders liegt.
Was würdest du an Katrins Stelle zuerst tun? Notiere kurz deine Antwort. Am Ende der Seite erfährst du, wie Katrin vorgeht.
Beispiel frei erfunden.
Was bedeutet Resilienz?
Resilienz bedeutet, Belastungen und Krisen psychisch gesund zu überstehen oder sich nach ihnen rasch zu erholen. Die American Psychological Association (APA) beschreibt Resilienz als Prozess und Ergebnis erfolgreicher Anpassung an schwierige oder herausfordernde Lebenserfahrungen. Dazu gehören Flexibilität im Denken, im Fühlen und im Verhalten.
Das Wort stammt vom lateinischen „resilire“, was so viel wie zurückspringen heißt. In der Werkstoffkunde beschreibt es Materialien, die nach einer Verformung in ihre ursprüngliche Form zurückkehren. Auf Menschen übertragen ist das Bild allerdings zu einfach. Menschen kehren nach einer Krise selten genau dorthin zurück, wo sie vorher waren. Sie verändern sich, lernen und finden ein neues Gleichgewicht.
Ein Bild aus dem Alltag: Ein Grashalm biegt sich im Wind und richtet sich danach wieder auf. Ein Baum, der viele Stürme erlebt hat, sieht danach anders aus als vorher. Er steht aber noch, oft mit tieferen Wurzeln. Menschliche Resilienz ähnelt eher dem Baum.
Auch resiliente Menschen spüren Belastung. Sie sind traurig, erschöpft oder wütend, wenn etwas Schweres passiert. Ihre Resilienz zeigt sich darin, wie es danach weitergeht.
Resilienz und verwandte Begriffe
Resilienzfaktoren
das, woraus Resilienz entsteht
Stressresistenz
enger und oft unrealistisch, Resilienz schließt Erholung ein
Mentale Stärke
eine Fähigkeit, die zu Resilienz beitragen kann
Selbstwirksamkeit
ein oft genannter Schutzfaktor
Emotionale Resilienz
ein Teilbereich der psychischen Resilienz
Psychologische Flexibilität
wird in der Forschung als möglicher Mechanismus diskutiert
Daten als Tabelle
| Begriff | Was er beschreibt | Verhältnis zu Resilienz |
|---|---|---|
| Resilienzfaktoren | Umstände und Fähigkeiten, die gesundes Bewältigen wahrscheinlicher machen | das, woraus Resilienz entsteht |
| Stressresistenz | Belastung gar nicht erst an sich heranlassen | enger und oft unrealistisch, Resilienz schließt Erholung ein |
| Mentale Stärke | Umgang mit Schwierigkeiten und Druck | eine Fähigkeit, die zu Resilienz beitragen kann |
| Selbstwirksamkeit | Vertrauen, eine Aufgabe bewältigen zu können | ein oft genannter Schutzfaktor |
| Emotionale Resilienz | Umgang mit belastenden Gefühlen | ein Teilbereich der psychischen Resilienz |
| Psychologische Flexibilität | Denken und Handeln an neue Lagen anpassen | wird in der Forschung als möglicher Mechanismus diskutiert |
Zusammenstellung von T1Leaders.
Für Katrin ist das eine erste Entlastung. Erschöpfung nach einer solchen Saison ist eine normale Reaktion. Die Frage lautet, ob die Kraft zurückkommt und was dafür nötig ist. Worin sich Resilienz von der Vorstellung unterscheidet, Stress gar nicht erst an sich heranzulassen, erklärt Stressresistenz und Stressresilienz.
MerksatzResilienz heißt, nach Belastung zurückzufinden. Dass du die Belastung spürst, gehört dazu.
Woher kommt der Begriff, und was weiß die Forschung?
Die psychologische Resilienzforschung begann mit Kindern, die unter schweren Bedingungen aufwuchsen und sich trotzdem gut entwickelten. Am bekanntesten ist die Langzeitstudie der Psychologin Emmy Werner auf der Hawaii-Insel Kauai.
Werner begleitete alle 698 Kinder, die 1955 auf Kauai geboren wurden, über Jahrzehnte. 201 von ihnen wuchsen mit mehreren Risiken auf, etwa Armut, Konflikten in der Familie oder psychischer Erkrankung eines Elternteils. Zwei Drittel dieser Kinder hatten bis zum Alter von 18 Jahren deutliche Probleme. 72 Kinder aber entwickelten sich zu zuversichtlichen, tüchtigen jungen Erwachsenen.
Die Forschung hat ihren Blick seitdem verschoben. Frühe Arbeiten suchten nach Eigenschaften, die resiliente Menschen auszeichnen. Daraus entstand das Bild einer festen Charaktereigenschaft. Raffael Kalisch und Kollegen schlugen 2017 einen anderen Blick vor. Sie verstehen Resilienz als Ergebnis: Ein Mensch bleibt trotz Belastung psychisch gesund oder findet rasch zurück. Die Frage lautet dann, welche Faktoren und Mechanismen zu diesem Ergebnis führen.
Dieser Wechsel hat praktische Folgen. Wer Resilienz als Eigenschaft sieht, sortiert Menschen in stark und schwach. Wer sie als Ergebnis sieht, fragt, welche Bedingungen helfen. Für Katrin ist das die nützlichere Frage: Was braucht ihr Unternehmen, damit die nächste Saison nicht wieder so endet?
MerksatzResilienz entsteht aus vielen Faktoren, und manche davon lassen sich verändern.
Weiterlesen: Resilienzfaktoren · Stressresistenz und Stressresilienz
Kurztest
Eine Kollegin ist nach dem Tod ihres Vaters mehrere Wochen niedergeschlagen und findet dann langsam zurück. Wie ist das einzuordnen?
- ASie ist nicht resilient
- BDas ist ein häufiger, guter Verlauf, auch Erholung nach einer schweren Phase gehört dazu
- CSie sollte sich mehr zusammenreißen
Auflösung anzeigen
Antwort B. Die Forschung unterscheidet stabile Verläufe und Erholung nach einer schweren Phase. Beides ist gesund. Bedenklich wird es erst, wenn Beschwerden lange anhalten.
Wovon hängt Resilienz nach heutiger Forschung vor allem ab?
- AEine angeborene Charakterstärke
- BEin Zusammenspiel aus Beziehungen, eigenen Fähigkeiten und Umständen
- CDie Bereitschaft, keine Schwäche zu zeigen
Auflösung anzeigen
Antwort B. Resilienz entsteht aus vielen Faktoren. Verlässliche Beziehungen gelten als wichtiger Schutzfaktor.
Ein Unternehmen bietet ein Resilienztraining an, während Personalmangel und Dauerüberlastung bleiben. Was ist davon zu halten?
- ADas Training löst das Problem
- BDas Training kann ergänzen, die Bedingungen müssen sich trotzdem ändern
- CTraining ist immer nutzlos
Auflösung anzeigen
Antwort B. Trainings zeigen im Mittel kleine Effekte. Sie ersetzen keine machbaren Arbeitsbedingungen.
Welche Faktoren machen Menschen resilient?
Resilienz entsteht aus dem Zusammenspiel innerer und äußerer Faktoren. Zu den äußeren gehören vor allem verlässliche Beziehungen und Unterstützung. Zu den inneren zählen das Vertrauen in die eigene Wirksamkeit, Fähigkeiten im Umgang mit Problemen und Gefühlen sowie eine realistische Zuversicht.
In der Kauai-Studie hatten viele der geschützten Kinder mindestens eine verlässliche Bezugsperson, oft außerhalb der Familie, etwa eine Lehrerin oder einen Nachbarn. Auch Pflichten und Fähigkeiten, die Erfolgserlebnisse brachten, wirkten schützend. Und Chancen an Lebensübergängen, etwa eine Ausbildung, konnten eine schwierige Entwicklung wenden.
Schutzfaktoren im Berufsalltag
Beziehungen
verlässliche Bezugspersonen
eine Kollegin oder ein Sparringspartner, mit dem man offen spricht
Unterstützung annehmen
Hilfe anfragen, bevor die Last zu groß wird
Fähigkeiten
Probleme anpacken
große Aufgaben in machbare Schritte teilen
Gefühle regulieren
nach einem Konflikt erst zur Ruhe kommen, dann antworten
Deutung der Lage
Selbstwirksamkeit
erleben, dass eigenes Handeln etwas verändert
realistische Zuversicht
erwarten, dass eine schwere Phase vorbeigeht, ohne sie kleinzureden
Umstände
Erholung und machbare Arbeit
Pausen, die respektiert werden, und eine Arbeitsmenge, die zu schaffen ist
Daten als Tabelle
| Bereich | Schutzfaktor | Wie er im Berufsalltag aussieht |
|---|---|---|
| Beziehungen | verlässliche Bezugspersonen | eine Kollegin oder ein Sparringspartner, mit dem man offen spricht |
| Beziehungen | Unterstützung annehmen | Hilfe anfragen, bevor die Last zu groß wird |
| Fähigkeiten | Probleme anpacken | große Aufgaben in machbare Schritte teilen |
| Fähigkeiten | Gefühle regulieren | nach einem Konflikt erst zur Ruhe kommen, dann antworten |
| Deutung der Lage | Selbstwirksamkeit | erleben, dass eigenes Handeln etwas verändert |
| Deutung der Lage | realistische Zuversicht | erwarten, dass eine schwere Phase vorbeigeht, ohne sie kleinzureden |
| Umstände | Erholung und machbare Arbeit | Pausen, die respektiert werden, und eine Arbeitsmenge, die zu schaffen ist |
Zusammenstellung von T1Leaders nach Werner (1993) und der Beschreibung der APA. Keine vollständige Liste.
Die letzte Zeile geht leicht unter. Resilienz hängt auch von Bedingungen ab, die ein Einzelner kaum beeinflussen kann. Dauerhafte Überlastung lässt sich mit innerer Haltung allein kaum ausgleichen.
Für Katrin heißt das: Ihren Projektleitern fehlten in der Saison Pausen, Vertretung und eine machbare Arbeitsmenge. Wie das Vertrauen in die eigene Wirksamkeit wächst, erklärt Selbstwirksamkeit. Um den Umgang mit belastenden Gefühlen geht es unter Emotionale und mentale Resilienz.
MerksatzSchutzfaktoren liegen in dir und um dich herum. Beide Seiten gehören in den Blick.
Mehr zu Schutzfaktoren: Resilienzfaktoren: was die Forschung weiß · Mentale Stärke aufbauen
Was sind die 7 Säulen der Resilienz, und was leisten sie?
Säulenmodelle geben eine einfache Orientierung, welche Haltungen in schweren Zeiten helfen können. Im deutschsprachigen Raum verbreitet ist das Modell der sieben Säulen, das meist der Psychologin Ursula Nuber zugeschrieben wird. Es stammt aus der Beratungspraxis und ist als Ganzes nicht wissenschaftlich geprüft.
Die sieben Säulen lauten in der verbreiteten Fassung: Optimismus, Akzeptanz, Lösungsorientierung, die Opferrolle verlassen, Verantwortung übernehmen, Netzwerkorientierung und Zukunftsplanung. Einige davon decken sich mit gut belegten Schutzfaktoren. Netzwerkorientierung entspricht den verlässlichen Beziehungen aus der Forschung. Lösungsorientierung und Verantwortung haben viel mit Selbstwirksamkeit gemeinsam.
Andere Säulen sind schwerer zu fassen. „Die Opferrolle verlassen“ kann hilfreich sein, wenn es heißt, wieder handlungsfähig zu werden. Es kann aber auch Druck erzeugen, wenn Menschen sich für eine Belastung verantwortlich fühlen, die sie nicht verursacht haben.
| Was Säulenmodelle leisten | Was sie nicht leisten |
|---|---|
| einfache Sprache für ein schwieriges Thema | keine geprüfte Messung der eigenen Resilienz |
| gute Grundlage für Gespräche und Selbstreflexion | keine Aussage darüber, welche Säule am wichtigsten ist |
| Anstöße, welche Haltungen sich üben lassen | kein Ersatz für bessere Arbeitsbedingungen |
| Verbindung zu einigen gut belegten Schutzfaktoren | keine Abbildung äußerer Faktoren wie Erholung und Arbeitsmenge |
Einordnung von T1Leaders.
Katrin findet das Modell nützlich für Gespräche mit ihrem Team. Sie merkt aber auch, dass es eine Lücke hat: Erholung und Arbeitsmenge kommen darin kaum vor. In ihrer Saison fehlte es an beidem. Der Akku-Check unten nutzt die sieben Säulen trotzdem als Gliederung, weil sie vielen Lesern vertraut sind, und ergänzt je Säule eine Übung.
MerksatzSäulenmodelle eignen sich als Gesprächsanlass und zur Selbstreflexion.
Alle sieben Säulen mit Beispielen findest du unter Die 7 Säulen der Resilienz.
Expertenbeitrag
Was macht ein Team belastbar? Übergabe und Besetzung in der Intensivmedizin
Notfall- und Intensivmediziner · Perspektive: Notfall- und Intensivmedizin
Eine Intensivstation arbeitet rund um die Uhr. Kein Mensch kann das allein durchhalten, und niemand erwartet es. Die Belastbarkeit der Station steckt deshalb in der Organisation. Das Team übergibt Schichten sauber, ein erfahrener Hintergrunddienst ist erreichbar, und es gilt die Regel, früh Hilfe zu holen, bevor eine Lage kippt.
In Unternehmen sprechen viele über Resilienz als persönliche Eigenschaft: Wer belastbar ist, hält mehr aus. Aus meiner Sicht greift das zu kurz. Ein Team hält dauerhaft so viel aus, wie seine Organisation hergibt. Wer das nicht regelt, verlagert die Last stillschweigend auf die Menschen, denen das Neinsagen schwerfällt.
Drei Vorhaben und eine unsichtbare Zusatzschicht
Das folgende Beispiel ist konstruiert.
Eine kaufmännische Leiterin in einem familiengeführten Unternehmen verantwortet den Jahresabschluss, die Einführung einer neuen Warenwirtschaft und die Einarbeitung einer Vertretung. Tagsüber sitzt sie in Abstimmungen. Abends prüft sie Unterlagen, die sonst liegen bleiben würden.
Die Geschäftsführung sieht, dass alles weiterläuft. Dass die Leiterin dafür kaum noch Reserven hat, steht in keinem Projektplan. Als ein weiterer Auswertungsauftrag dazukommt, antwortet sie: „Wir bekommen das hin.“
Auf einer Station wäre dieser Satz ein Warnsignal. Er bedeutet oft: Ich habe keinen Überblick mehr darüber, was ich zusätzlich trage, aber ich will niemanden belasten. Hilfreich ist dann eine offene Planung. Welche Aufgabe kommt hinzu? Was wird dafür verschoben, vereinfacht oder abgegeben? Wenn nichts davon geht, muss jemand den Kapazitätskonflikt entscheiden.
Was Unternehmen von einer Station übernehmen können
Strukturierte Übergaben. In der Intensivmedizin übergibt das Team Schichten nach einem festen Schema: Wer ist betroffen, was ist die Lage, was ist der Hintergrund, wie schätze ich es ein, was empfehle ich. Das kostet wenige Minuten. In Unternehmen hängt Wissen oft an einzelnen Personen. Wer krank wird oder in Urlaub geht, hinterlässt Lücken, die andere abends schließen. Eine kurze, feste Übergabestruktur für kritische Themen macht Vertretung erst möglich.
Ein Hintergrunddienst. Auf der Station weiß jeder, wen er anrufen kann, wenn eine Situation die eigene Erfahrung übersteigt. Der Anruf gilt als professionell. Wer in einem Unternehmen nicht weiß, an wen er eine Entscheidung abgeben darf, trägt sie allein weiter. Leg fest, wer für welche Art von Konflikt der Ansprechpartner ist, und mach den Anruf ausdrücklich erwünscht.
Früh Hilfe holen. Im Crisis Resource Management ist das ein eigener Leitsatz. Wer spät Hilfe holt, braucht mehr davon. Im Betrieb gilt dasselbe: Eine Überlastung, die im ersten Monat gemeldet wird, lässt sich umplanen. Im vierten Monat ist sie ein Personalproblem.
Was jede Führungsebene ändern kann
Teamleitung: Dokumentiere, welche Lücken du selbst füllst. Wenn du zusätzlich operative Arbeit übernimmst, benenne, welche Führungsaufgabe dafür zurücksteht. Sonst sieht deine Zusatzleistung in der Planung aus wie reguläre Kapazität.
Bereichsleitung: Führ neue Anforderungen mit bestehenden Zusagen zusammen. Eine Prioritätenliste hilft erst dann, wenn nachrangige Aufgaben tatsächlich verschoben oder beendet werden dürfen. Mach sichtbar, welche Kosten und Folgen damit verbunden sind.
Geschäftsführung: Entscheide über konkurrierende Vorhaben. Unterstützung kostet Geld, eine Verschiebung kann Kunden enttäuschen, ein reduzierter Projektumfang kann Nutzen verzögern. Diese Nachteile gehören offen in die Entscheidung, damit sie nicht stillschweigend bei einzelnen Führungskräften landen.
Ein Belastungsabgleich, der zu Entscheidungen führt
Für die nächste Planungsrunde reichen vier Spalten: Aufgabe, erforderliche Kapazität, verantwortliche Person, Folge einer Verschiebung. Danach markierst du, welche Arbeit verbindlich terminiert ist und welche Zusage intern verändert werden kann.
Jede Entlastungsentscheidung braucht einen Empfänger: Wer erfährt, dass ein Bericht später kommt? Wer passt den Projektplan an? Wer erklärt dem Kunden die Änderung? Ohne diese Übergabe bleibt die alte Erwartung bestehen.
Zusätzlich sollte geregelt sein, welche Ereignisse außerhalb der üblichen Arbeitszeit eine Reaktion erfordern und wer dann zuständig ist. Wer gerade nicht dran ist, soll wissen, dass dringende Fälle trotzdem bearbeitet werden.
Die eigene Entscheidungsfähigkeit schützen
Ein weiterer Leitsatz des Crisis Resource Management lautet sinngemäß: Prüfe doppelt. Eine zweite Person prüft folgenreiche Schritte mit, gerade wenn das Team schon lange unter Last arbeitet. Das gehört zur Sicherheitskultur und gilt für alle, auch für sehr Erfahrene.
Für Führungskräfte heißt das: Welche Entscheidung sollte ich heute nicht allein treffen? Welche Besprechung kann warten, bis die Beteiligten wieder klar abwägen können? Welche Übergabe ist nötig, damit ich abgeben kann? Woran du Entscheidungsmüdigkeit erkennst, steht unter Entscheidungsmüdigkeit.
Mein Schlussgedanke: Ein Team ist so belastbar wie seine Übergaben, seine Vertretungen und die Bereitschaft, früh Hilfe zu holen. Auf „Wir müssen da durch“ sollte eine Planung folgen.
Der Beitrag behandelt die Organisation von Arbeit im Team. Bei anhaltenden gesundheitlichen Beschwerden gehört die persönliche Abklärung in fachkundige Hände.
Was wirkt, um Resilienz zu stärken?
Gut belegt ist der Nutzen von Erholung. Verlässliche Unterstützung gilt seit den frühen Studien als wichtiger Schutzfaktor. Strukturierte Resilienzprogramme zeigen im Mittel kleine Effekte, die nach dem Programm oft schwächer werden. Für eine dauerhafte Wirkung helfen vermutlich kleine Übungen, die Teil des Alltags werden, und Bedingungen, die Erholung zulassen.
Erholung ist ein gut untersuchter Gegenpol zu Belastung. Sabine Sonnentag und Charlotte Fritz beschreiben vier Erfahrungen, die Erholung ausmachen: gedanklich abschalten, entspannen, etwas Neues lernen und selbst über die freie Zeit bestimmen. Eine Meta-Analyse von Johannes Wendsche und Andrea Lohmann-Haislah über 86 Veröffentlichungen fand 2017, dass Abschalten nach der Arbeit mit weniger Erschöpfung und besserem Schlaf zusammenhängt.
Für den Alltag heißt das: Erholung braucht regelmäßige Gelegenheiten. Ein festes Abschaltritual nach der Arbeit, ein freier Abend pro Woche, Kontakt zu Menschen, die guttun. Wenn-dann-Pläne können helfen, solche Gewohnheiten durchzuhalten: „Wenn ich den Laptop zuklappe, schreibe ich die Liste für morgen.“
Für Katrins Unternehmen bedeutet das eine klare Reihenfolge. Zuerst die Bedingungen: Vertretungen, Puffer zwischen Messen, Erholung nach jeder Großmesse. Dann ergänzend ein freiwilliges Angebot für die, die es wollen, idealerweise mit Einzelbegleitung. Sie schnitt in der Meta-Analyse besser ab als Gruppen- oder Onlineformate.
MerksatzErst die Bedingungen, dann das Training. Ohne bessere Bedingungen bleibt vom Training wenig übrig.
Zum Üben: Resilienz stärken: Übungen für den Alltag · Resilienztraining: was wirkt · Selbstführung
Wie sieht Resilienz im Führungsalltag aus?
Führungskräfte tragen eine doppelte Last: ihre eigene Belastung und die Verantwortung für die Belastung ihres Teams. Fünf Muster kosten in Führungsrollen oft viel Kraft: ständige Erreichbarkeit, viele Entscheidungen am Tag, Druck von oben und unten, Einsamkeit in der Rolle und der Anspruch, keine Schwäche zu zeigen.
| Belastungsmuster | Gegenstrategie | Vertiefung |
|---|---|---|
| Dauerverfügbarkeit | feste Zeiten ohne Erreichbarkeit, Vertretung für Notfälle | Stressmanagement für Führungskräfte |
| Entscheidungslast | Entscheidungsregeln und Delegation | Entscheidungsmüdigkeit |
| Sandwichposition | Bedenken nach oben klar äußern, Spielräume nach unten offen benennen | Resilienz für Führungskräfte |
| Einsamkeit in der Rolle | Sparringspartner außerhalb der Hierarchie | Resilienz für Führungskräfte |
| Keine Schwäche zeigen | gegenüber einer Vertrauensperson offen sprechen | Mentale Stärke aufbauen |
Zusammenstellung von T1Leaders. Die Muster sind aus der Praxis abgeleitet und kein geprüftes Modell.
Dazu kommt die Wirkung auf das Team. Wer als Führungskraft nachts Mails schreibt, setzt einen Maßstab, auch ohne ihn auszusprechen. Wer selbst Pausen macht und darüber spricht, macht sie für andere leichter. Teams, in denen Probleme früh angesprochen werden können, tragen Belastung gemeinsam. Amy Edmondson nennt dieses Klima psychologische Sicherheit.
Katrin erkennt sich vor allem in zwei Mustern: Dauerverfügbarkeit und keine Schwäche zeigen. In der Saison war sie rund um die Uhr erreichbar und hat niemandem gesagt, wie erschöpft sie ist. Ihre Projektleiter haben es ihr nachgemacht.
MerksatzDeine Resilienz und die deines Teams hängen zusammen. Was du vorlebst, wird leicht zur Norm.
Für Führungskräfte: Resilienz für Führungskräfte · Psychologische Sicherheit im Team · Entscheidungsmüdigkeit
Typische Fehler
Typische Fehler im Umgang mit Resilienz
- Resilienz mit Härte verwechseln: Wer Belastung ignoriert und keine Schwäche zeigt, verbraucht Kraft. Gegenmittel: Belastung ernst nehmen und offen ansprechen.
- Nur auf innere Faktoren schauen: Haltung allein gleicht dauerhafte Überlastung nicht aus. Gegenmittel: Arbeitsmenge, Pausen und Vertretung prüfen.
- Auf die große Pause warten: Ein Urlaub im Jahr reicht als Erholung selten aus. Gegenmittel: kleine, feste Erholungszeiten jede Woche.
- Warnsignale übergehen: Anhaltende Erschöpfung, Schlafprobleme und Niedergeschlagenheit sind Warnsignale für die Gesundheit. Gegenmittel: früh fachliche Hilfe suchen, siehe Hilfe-Kasten.
- Organisationale Falle: Resilienz als Privatsache. Manche Unternehmen bieten Resilienztraining an, während Personalmangel und Dauerüberlastung bleiben. So wird Belastung zur Frage persönlicher Stärke. Gegenmittel: Angebote zur Resilienz mit einer Prüfung der Arbeitsbedingungen verbinden, etwa einer Gefährdungsbeurteilung psychischer Belastung.
Selbsttest
Akku-Check
Denk an die letzten vier Wochen. Trifft die Aussage zu? Ja oder nein. Die Aussagen folgen den sieben Säulen. Es gibt keinen Gesamtwert und keinen Resilienz-Wert. Bei jedem Nein zeigt dir der Test eine passende Übung.
Optimismus: Ich erwarte, dass schwierige Phasen auch wieder vorbeigehen.
Akzeptanz: Ich kann unterscheiden, was ich ändern kann und was nicht.
Werkzeug: eine Sorge aufschreiben und markieren, was davon beeinflussbar ist
Lösungsorientierung: Bei Problemen suche ich nach einem nächsten kleinen Schritt.
Werkzeug: Selbstwirksamkeit, vier Quellen
Opferrolle verlassen: Nach Rückschlägen werde ich wieder handlungsfähig, ohne mir die Schuld für alles zu geben.
Verantwortung übernehmen: Ich spreche Belastung offen an.
Werkzeug: Resilienz für Führungskräfte
Netzwerkorientierung: Es gibt Menschen, mit denen ich offen über Belastung sprechen kann.
Werkzeug: Resilienzfaktoren, Beziehungen stärken
Zukunftsplanung: Ich plane Belastungsspitzen und Erholung voraus.
Werkzeug: Wochenplan für Belastungsspitzen
Dein nächster Schritt: Nimm die erste Aussage, bei der du Nein gesagt hast, und probiere die Übung zwei Wochen lang aus. Wenn du bei vielen Aussagen Nein sagst und dich über Wochen erschöpft fühlst, lies den Hilfe-Kasten unten.
Reflexionswerkzeug, kein wissenschaftlich validierter Test und keine Diagnose. Deine Antworten werden nicht gespeichert.
Hilfe
Wo endet Resilienz, und wann brauchst du Hilfe?
Resilienz hat Grenzen. Hol dir Unterstützung, wenn Erschöpfung, Niedergeschlagenheit oder Schlafprobleme über Wochen anhalten und auch in freien Zeiten oder im Urlaub nicht nachlassen. Das gilt auch, wenn du Dinge, die dir früher Freude gemacht haben, kaum noch genießen kannst, oder wenn du dich von anderen zurückziehst. Übungen und Trainings ersetzen in diesem Fall keine fachliche Abklärung.
Häufige Fragen
Was bedeutet Resilienz einfach erklärt?
Resilienz bedeutet, nach schweren Zeiten wieder auf die Beine zu kommen. Auch resiliente Menschen spüren Belastung. Sie finden danach ihr Gleichgewicht wieder.
Was heißt Resilienz auf Deutsch?
Ein einzelnes deutsches Wort gibt es nicht. Häufig verwendet werden psychische Widerstandskraft, Belastbarkeit oder seelische Widerstandsfähigkeit.
Ist Resilienz angeboren?
Teilweise spielen Veranlagung und Temperament eine Rolle. Viele Faktoren, etwa Beziehungen, Fähigkeiten und Arbeitsbedingungen, lassen sich verändern.
Kann man Resilienz trainieren?
Teilweise. Programme zeigen im Mittel kleine Effekte. Gut belegt ist der Nutzen von Erholung, also von Bedingungen, die sie zulassen, und Gewohnheiten, die im Alltag bleiben.
Was sind die 7 Säulen der Resilienz?
Optimismus, Akzeptanz, Lösungsorientierung, die Opferrolle verlassen, Verantwortung übernehmen, Netzwerkorientierung und Zukunftsplanung. Das Modell stammt aus der Praxis und ist als Ganzes nicht wissenschaftlich geprüft.
Was ist der Unterschied zwischen Resilienz und Stressresistenz?
Stressresistenz meint, Belastung gar nicht erst an sich heranzulassen. Resilienz schließt ein, dass Belastung wirkt, und beschreibt, wie gut man danach zurückfindet.
Quellen
- American Psychological Association, Resilience: apa.org
- Werner, E. E. (1993). Risk, resilience, and recovery: Perspectives from the Kauai Longitudinal Study. Development and Psychopathology, 5, 503-515. PDF
- Bonanno, G. A. (2004). Loss, trauma, and human resilience: Have we underestimated the human capacity to thrive after extremely aversive events? American Psychologist, 59(1), 20-28. PDF bei gwern.net
- Kalisch, R. et al. (2017). The resilience framework as a strategy to combat stress-related disorders. Nature Human Behaviour, 1(11), 784-790. PDF
- Vanhove, A. J., Herian, M. N., Perez, A. L. U., Harms, P. D. und Lester, P. B. (2016). Can resilience be developed at work? Journal of Occupational and Organizational Psychology, 89(2), 278-307. Zusammenfassung: NOBCO
- Kunzler, A. M. et al. (2020). Psychological interventions to foster resilience in healthcare professionals. Cochrane Database of Systematic Reviews. Cochrane
- Sonnentag, S. und Fritz, C. (2007). The Recovery Experience Questionnaire. Journal of Occupational Health Psychology, 12(3), 204-221. KOPS
- Wendsche, J. und Lohmann-Haislah, A. (2017). A meta-analysis on antecedents and outcomes of detachment from work. Frontiers in Psychology. Frontiers
- Nuber, U. (2005). Resilienz: Immun gegen das Schicksal? Psychologie Heute, 09/2005. Zitiert nach: HelloBetter
- Krisentelefone und Anlaufstellen: Familienportal des Bundesfamilienministeriums
- Duden online, Stichwort Resilienz, Herkunft: zu lateinisch resilire, zurückspringen. duden.de
Vormerkliste
Neues zuerst erfahren
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