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Resilienz · Vertiefung

Die 7 Säulen der Resilienz: Modell, Herkunft, Übungen

Was hinter einem verbreiteten Resilienzmodell im deutschsprachigen Raum steckt, wie gut es belegt ist und wie du jede Säule im Alltag übst.

Stand · David Rudolph, KI-gestützte Erstellung · rund 6 Minuten Lesezeit

Christine leitet eine Grundschule mit 280 Kindern. In diesem Schuljahr fehlen zwei Lehrkräfte, eine Kollegin ist langzeitkrank, und der Neubau der Turnhalle verzögert sich. Auf einer Fortbildung hat sie von den 7 Säulen der Resilienz gehört. Sie fragt sich: Hilft ihr das Modell weiter, oder ist es nur eine schöne Grafik?

Beispiel frei erfunden.

Woher kommt das Modell?

Das Modell stammt aus der Beratungs- und Coachingpraxis. Eine einzelne Studie liegt ihm nicht zugrunde. Verbreitet wird es meist mit Bezug auf die Psychologin Ursula Nuber, die über Resilienz in der Zeitschrift „Psychologie Heute“ schrieb. Andere Autorinnen und Autoren haben das Modell abgewandelt, etwa mit Selbstwirksamkeit oder Bindung als Säule.

Ein Bild aus dem Alltag: Eine Wanderkarte ist hilfreich, auch wenn sie nicht jeden Stein zeigt. Ein Säulenmodell vereinfacht ebenso. Es ordnet, was die Forschung differenzierter beschreibt.

Die Wurzeln der Resilienzforschung liegen woanders. Emmy Werner begleitete alle 698 Kinder, die 1955 auf der Insel Kauai geboren wurden, über Jahrzehnte. Etwa ein Drittel wuchs unter schwierigen Bedingungen auf. Ein Drittel dieser Kinder entwickelte sich trotzdem zu zufriedenen, tüchtigen Erwachsenen. Was sie schützte, erklärt Resilienzfaktoren.

Was bedeuten die sieben Säulen, und wie übst du sie?

Jede Säule beschreibt eine Haltung. Zu jeder gibt es eine einfache Übung. Die Übungen sind Vorschläge von T1Leaders und nicht einzeln auf ihre Wirkung geprüft.

Sieben Säulen mit Übung

SäuleWas sie meintBezug zur ForschungÜbung
Optimismuserwarten, dass schwere Zeiten vorübergehenverwandt mit untersuchter Zuversicht, Studienlage gemischtabends drei Dinge notieren, die heute gelungen sind
Akzeptanzannehmen, was sich nicht ändern lässtverwandt mit psychologischer Flexibilitäteine Liste: beeinflussbar oder nicht beeinflussbar
Lösungsorientierungauf das schauen, was jetzt hilftverwandt mit aktivem Bewältigenbei jedem Problem einen kleinsten nächsten Schritt aufschreiben
Opferrolle verlassensich als handlungsfähig sehenverwandt mit Selbstwirksamkeiteine Situation, in der du etwas bewirkt hast, genau beschreiben
Verantwortung übernehmenden eigenen Anteil sehenPflichten und Fähigkeiten stärkten Kinder in der Kauai-Studieeinen eigenen Anteil an einem Problem benennen, ohne Selbstvorwurf
NetzwerkorientierungUnterstützung suchen und annehmensoziale Unterstützung ist ein gut belegter Schutzfaktoreine Person anrufen, mit der du lange nicht gesprochen hast
ZukunftsplanungZiele und Pläne für die Zeit danachverwandt mit Zielsetzung und Sinnein Ziel für die Zeit nach der Belastung aufschreiben

Lies die Tabelle und wähl die Säule, bei der du am meisten Nachholbedarf siehst.

Sieben Haltungen, sieben Übungen. Fang mit der schwächsten Säule an.

Einordnung der Belege durch T1Leaders. „Verwandt mit“ heißt: ähnliches Thema, keine direkte Prüfung der Säule.

Christine markiert die Netzwerkorientierung. Seit Monaten trägt sie alles allein, aus Sorge, das Kollegium zusätzlich zu belasten. Sie vereinbart einen festen Austausch mit zwei anderen Schulleitungen im Ort, alle zwei Wochen eine Stunde.

MerksatzFür den Anfang reicht eine Säule.

Was leistet das Modell, und was nicht?

Das Modell leistet drei Dinge gut. Es gibt eine gemeinsame Sprache, es ordnet ein schwer greifbares Thema, und es führt zu konkreten Fragen an sich selbst. Für Gespräche im Team und erste Schritte ist das wertvoll.

Grenzen hat es auch: Es misst keine Resilienz und sagt nicht voraus, wer eine Krise gut übersteht. Außerdem kann es den Eindruck erwecken, Resilienz sei vor allem eine Frage der richtigen Haltung. Die Forschung zeigt, dass auch äußere Umstände wichtig sind: Unterstützung, Arbeitsbedingungen, Erholungszeiten.

BegriffWas er beschreibtVerhältnis zu den 7 Säulen
7 Säulen der ResilienzPraxismodell mit sieben Haltungender Begriff, um den es auf dieser Seite geht
Resilienzfaktorenin Studien untersuchte Schutzfaktoren, innere und äußeregenauer belegt, umfassen auch Umfeld und Unterstützung
Resilienzgute psychische Gesundheit trotz oder nach Belastungdas Ergebnis, zu dem die Säulen beitragen sollen
Resilienztrainingstrukturierte Programme zur Stärkungnutzen das Säulenmodell manchmal als Gerüst

Für Christine heißt das: Die Säulen helfen ihr, die eigene Haltung zu prüfen. Das Gespräch mit dem Schulamt über die fehlenden Lehrkräfte braucht es trotzdem. Beides gehört zusammen. Wer nur an der Haltung arbeitet, während die Bedingungen schlecht bleiben, läuft Gefahr, sich selbst die Schuld für eine Lage zu geben, die er nicht verursacht hat.

Hilfreich ist deshalb eine doppelte Frage. Erstens: Welche Säule kann ich bei mir stärken? Zweitens: Welche äußere Stütze fehlt, und wer kann sie liefern? Christine schreibt für die zweite Frage drei Punkte auf und nimmt sie in das nächste Gespräch mit dem Schulamt mit.

Mehr zur Forschung hinter den Schutzfaktoren steht unter Resilienzfaktoren. Einen Überblick über das ganze Thema gibt Resilienz.

Gegenmittel

So nutzt du das Säulenmodell

  1. Die sieben Säulen lesen und spontan einschätzen, welche bei dir am schwächsten ist.
  2. Eine Säule wählen und die passende Übung zwei Wochen lang machen.
  3. Äußere Umstände mitdenken: Was an deiner Lage lässt sich ändern, unabhängig von deiner Haltung?
  4. Mit einer vertrauten Person sprechen, wie sie deine Säulen sieht.
  5. Weitere Übungen ausprobieren, sortiert nach Zeitaufwand: Resilienz stärken.

Testfragen

Welche Säule trägt bei dir?

Denk an die letzten drei Monate. Trifft die Aussage zu? Ja oder nein. Es gibt keinen Gesamtwert. Bei jedem Nein zeigt dir die Übung einen Ansatz.

  1. Ich gehe davon aus, dass schwierige Phasen auch wieder vorbeigehen.

    Antwort

    Ansatz: Optimismus, abends drei gelungene Dinge notieren.

  2. Ich kann unterscheiden, was ich ändern kann und was nicht.

    Antwort

    Ansatz: Psychologische Flexibilität

  3. Bei Problemen frage ich mich zuerst, was jetzt hilft.

    Antwort

    Ansatz: Lösungsorientierung, den kleinsten nächsten Schritt aufschreiben.

  4. Ich traue mir zu, schwierige Lagen zu beeinflussen.

    Antwort

    Ansatz: Selbstwirksamkeit

  5. Ich sehe meinen eigenen Anteil an Problemen, ohne mich fertigzumachen.

    Antwort

    Ansatz: Verantwortung, einen Anteil benennen.

  6. Ich habe Menschen, die ich um Hilfe bitten kann, und tue es auch.

    Antwort

    Ansatz: Netzwerk, eine Person anrufen.

  7. Ich habe ein Ziel für die Zeit nach der aktuellen Belastung.

    Antwort

    Ansatz: Zukunftsplanung, ein Ziel aufschreiben.

Reflexionswerkzeug, kein wissenschaftlich validierter Test. Deine Antworten werden nicht gespeichert.

Situationsfrage

  1. Ein Abteilungsleiter macht mit seinem erschöpften Team einen Workshop zu den 7 Säulen. Das Team arbeitet seit einem Jahr mit zwei unbesetzten Stellen und vielen Überstunden. Welcher Hinweis hilft ihm?

    1. AMehr Workshops zu den Säulen machen, bis sich die Haltung ändert.
    2. BDas Modell kann ergänzen. Zuerst geht es um die Arbeitsbedingungen: die unbesetzten Stellen und die Überstunden angehen.
    3. CDas Modell ist nutzlos und sollte nicht verwendet werden.
    Auflösung anzeigen

    Antwort B. Antwort A legt die Verantwortung allein auf die Haltung der Beschäftigten. Antwort C verwirft ein brauchbares Hilfsmittel. Antwort B nutzt das Modell und sieht zugleich die äußeren Ursachen.

Häufige Fragen

Wer hat die 7 Säulen der Resilienz entwickelt?

Das Modell wird im deutschsprachigen Raum meist der Psychologin Ursula Nuber zugeschrieben. Es stammt aus der Praxis und existiert in mehreren Varianten.

Sind die 7 Säulen wissenschaftlich belegt?

Als Gesamtmodell nicht. Einzelne Säulen ähneln Schutzfaktoren, die in der Forschung gut untersucht sind, etwa soziale Unterstützung oder das Vertrauen in die eigene Wirksamkeit.

Gibt es andere Resilienzmodelle?

Ja. Manche Modelle nennen Selbstwirksamkeit, Bindung oder Selbstwahrnehmung als eigene Säulen. Die Forschung spricht meist von Resilienzfaktoren, die innere Eigenschaften und äußere Umstände umfassen.

Quellen

  1. Werner, E. E. (1993). Risk, resilience, and recovery: Perspectives from the Kauai Longitudinal Study. Development and Psychopathology, 5, 503-515. PDF
  2. Nuber, U. (2005). Resilienz: Immun gegen das Schicksal? Psychologie Heute, 09/2005. Zitiert nach: HelloBetter

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