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Resilienz · Vertiefung

Stressmanagement für Führungskräfte: Erholung und Grenzen

Wie du Belastungsspitzen vorausplanst, Erholungsfenster gegen den Alltag verteidigst und Grenzen setzt, die dein Team versteht. Mit einem Wochenplan zum Ausfüllen.

Stand · David Rudolph, KI-gestützte Erstellung · rund 6 Minuten Lesezeit

Anja ist Chefredakteurin einer Lokalzeitung mit zwölf Redakteurinnen und Redakteuren. In zehn Tagen ist Kommunalwahl. Davor stehen zwei Podiumsdiskussionen, eine Sonderbeilage und die Wahlnacht selbst. Bei der letzten Wahl hat sie drei Wochen lang kaum geschlafen und war danach zwei Wochen krank. Dieses Mal will sie die Spitze vorausplanen.

Beispiel frei erfunden.

Was macht Stress in Führungsrollen aus?

Stress in Führungsrollen hat oft drei Quellen: viel Verantwortung bei begrenztem Einfluss, hohe Erreichbarkeit und wenige echte Pausen. Besonders belastend wird es, wenn auf eine Spitze die nächste folgt, ohne dass dazwischen Erholung stattfindet.

Erholung hat in der Forschung vier Seiten. Sabine Sonnentag und Charlotte Fritz beschreiben sie so: gedanklich abschalten, entspannen, etwas Neues lernen und selbst über die freie Zeit bestimmen. Eine Meta-Analyse von Johannes Wendsche und Andrea Lohmann-Haislah über 86 Veröffentlichungen fand 2017, dass Abschalten mit weniger Erschöpfung und besserem Schlaf zusammenhängt.

Für Anja heißt das: Die Wahlwoche wird anstrengend. Sie kann dafür sorgen, dass vor und nach der Spitze Erholung möglich ist. Wie Stress die eigene Belastbarkeit beeinflusst, erklärt Stressresilienz.

Wie planst du Belastungsspitzen?

Belastungsspitzen planst du, indem du sie früh im Kalender markierst und davor Puffer einbaust. Puffer sind freie Zeitblöcke für Unvorhergesehenes. Danach planst du bewusst eine ruhigere Phase. Der Wochenplan unten hilft dabei.

Wochenplan für Belastungsspitzen

SpurWas du einträgstBeispiel aus Anjas Wahlwoche
SpitzenTermine und Aufgaben mit hoher LastPodium am Dienstag, Wahlnacht am Sonntag
Pufferfreie Blöcke vor Spitzen für UnvorhergesehenesMontagnachmittag frei von Terminen
Erholungsfensterfeste Zeiten zum AbschaltenMittwochabend frei, Montag nach der Wahl frei
GrenzenRegeln zu Erreichbarkeit und Aufgabenab 21 Uhr nur der Chef vom Dienst erreichbar
AbgabenAufgaben, die andere übernehmenSportseite an die Stellvertretung

Druck die Tabelle aus und füll sie für die kommende Woche aus.

Jede Spitze braucht einen Puffer davor und Erholung danach.

Planungshilfe von T1Leaders. Kein wissenschaftlich validiertes Verfahren.

Anja füllt den Plan für die Wahlwoche aus. Dabei fällt ihr auf, dass sie drei Aufgaben bisher selbst erledigen wollte, die ihre Stellvertretung genauso gut kann. Sie gibt sie ab. Den Montag nach der Wahl trägt sie als freien Tag ein und sagt das dem Team schon jetzt.

MerksatzWas nicht im Kalender steht, fällt in der Spitze als Erstes weg.

Wie schützt du Erholungsfenster?

Erholungsfenster schützt du, indem du sie wie wichtige Termine behandelst: fest eingetragen, angekündigt und mit einer Vertretung für echte Notfälle. Ein Erholungsfenster, das bei jeder Anfrage verschoben wird, wirkt kaum.

Hilfreich sind Wenn-dann-Pläne. Peter Gollwitzer und Paschal Sheeran fanden 2006 in einer Meta-Analyse, dass solche Pläne die Umsetzung von Vorsätzen deutlich verbessern. Ein Beispiel: „Wenn ich die Redaktion verlasse, schalte ich die Benachrichtigungen aus.“ Ein festes Ritual am Ende des Arbeitstags kann beim gedanklichen Abschalten helfen.

Auch das Arbeitszeitgesetz kennt eine Grenze: Nach Ende der täglichen Arbeitszeit ist eine ununterbrochene Ruhezeit von mindestens elf Stunden vorgeschrieben. Für leitende Angestellte im Sinne des Betriebsverfassungsgesetzes gilt das Arbeitszeitgesetz nicht (§ 18 ArbZG). Als Richtwert für dich und dein Team taugt die Regel trotzdem.

Wie setzt du Grenzen?

Grenzen setzt du, indem du sie klar formulierst, früh ankündigst und selbst einhältst. Gute Grenzen betreffen Erreichbarkeit, Zuständigkeit und Arbeitsmenge. Sie helfen dir, in wichtigen Momenten noch Kraft zu haben.

Grenzen wirken auch im Team. Wer als Führungskraft nachts Mails schreibt, setzt einen Maßstab, auch ohne ihn auszusprechen. Wer Grenzen vorlebt, macht sie für andere leichter. Typische Belastungsmuster in Führungsrollen findest du unter Resilienz für Führungskräfte. Wie du im akuten Moment ruhig bleibst, zeigt Ruhe bewahren unter Druck.

Grenzen

Wann stößt Planung an Grenzen?

  • Bei dauerhaft zu hoher Arbeitsmenge: Wenn auf jede Spitze die nächste folgt, hilft Planung allein wenig. Dann muss die Arbeitsmenge sinken oder das Team wachsen.
  • Bei echten Krisen: Manche Lagen lassen sich nicht planen. Dann gehört die Erholung danach umso fester in den Kalender.
  • Bei Anzeichen einer Erkrankung: Anhaltende Erschöpfung, Niedergeschlagenheit oder Schlafprobleme gehören in fachliche Hände, siehe Hilfe-Kasten unten.
  • Bei fehlendem Rückhalt von oben: Wenn die eigene Führung Grenzen nicht respektiert, hilft ein offenes Gespräch über Erwartungen.
  • Organisationale Grenze: Stress als Privatsache. In manchen Organisationen gilt Stressmanagement als persönliche Aufgabe, während Arbeitsmenge und Personalmangel unverändert bleiben. Schutz im Prozess: Belastung regelmäßig im Team und mit der eigenen Führung besprechen, etwa im Rahmen einer Gefährdungsbeurteilung psychischer Belastung.

Gegenmittel

So gehst du vor

  1. Spitzen der nächsten vier Wochen markieren: alle Termine und Aufgaben mit hoher Last.
  2. Puffer davor einbauen: mindestens einen freien Block vor jeder Spitze.
  3. Erholung danach eintragen: einen freien Abend oder Tag nach jeder Spitze.
  4. Grenzen festlegen und ankündigen: Erreichbarkeit, Vertretung, Abgaben.
  5. Wöchentlich prüfen: freitags 20 Minuten für den Plan der nächsten Woche. Wie das in eine feste Routine passt, zeigt Selbstführung.

Übung

Übung am eigenen Fall

  1. Ein Projektleiter hat in der kommenden Woche am Mittwoch eine wichtige Präsentation beim Kunden und am Freitag den Projektabschluss. Welcher Plan ist sinnvoll?

    1. ADie ganze Woche durcharbeiten und am Wochenende ausschlafen.
    2. BDienstagnachmittag als Puffer freihalten, Mittwochabend frei, Donnerstag nur Routine, Montag nach dem Abschluss einen halben Tag frei, ab 20 Uhr nicht erreichbar.
    3. CKeine besondere Planung, weil sich Projektwochen ohnehin nicht planen lassen.
    Auflösung anzeigen

    Antwort B. Antwort A schiebt die Erholung ans Ende und lässt zwei Spitzen ohne Pause aufeinanderfolgen. Antwort C verschenkt die Chance, absehbare Spitzen abzufedern. Antwort B setzt Puffer vor die Spitzen, Erholung dazwischen und danach und eine klare Grenze bei der Erreichbarkeit.

Hilfe

Wann solltest du dir Hilfe holen?

Hol dir Unterstützung, wenn Erschöpfung, Niedergeschlagenheit oder Schlafprobleme über Wochen anhalten und auch im Urlaub nicht nachlassen. Das gilt auch, wenn du Dinge, die dir früher Freude gemacht haben, kaum noch genießen kannst. Ein guter Wochenplan ersetzt in diesem Fall keine fachliche Abklärung.

Häufige Fragen

Was ist der Unterschied zwischen Stressmanagement und Resilienz?

Stressmanagement umfasst konkrete Maßnahmen gegen Belastung, etwa Planung, Erholung und Grenzen. Resilienz beschreibt das Ergebnis, Belastungen gesund zu überstehen. Gutes Stressmanagement kann dazu beitragen.

Wie viel Erholung brauche ich nach einer Belastungsspitze?

Das ist individuell verschieden. Eine feste Zahl lässt sich aus der Forschung nicht ableiten. Hilfreich ist, nach jeder Spitze überhaupt Erholung einzuplanen.

Was tun, wenn die eigene Führungskraft keine Grenzen respektiert?

Ein offenes Gespräch über Erwartungen und Erreichbarkeit führen, mit konkreten Vorschlägen. Wenn das nicht hilft, Betriebsrat oder Personalabteilung einbeziehen.

Quellen

  1. Sonnentag, S. und Fritz, C. (2007). The Recovery Experience Questionnaire. Journal of Occupational Health Psychology, 12(3), 204-221. KOPS
  2. Wendsche, J. und Lohmann-Haislah, A. (2017). A meta-analysis on antecedents and outcomes of detachment from work. Frontiers in Psychology. Frontiers
  3. Gollwitzer, P. M. und Sheeran, P. (2006). Implementation intentions and goal achievement. Advances in Experimental Social Psychology, 38, 69-119.
  4. Lazarus, R. S. und Folkman, S. (1984). Stress, Appraisal, and Coping. New York: Springer.
  5. Arbeitszeitgesetz, § 5 Ruhezeit: gesetze-im-internet.de
  6. Krisentelefone und Anlaufstellen: Familienportal des Bundesfamilienministeriums
  7. Arbeitszeitgesetz, § 18 Nichtanwendung des Gesetzes: gesetze-im-internet.de

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