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T1Leaders

Führung und Team · Vertiefung

Entscheidungen im Team: Beteiligung, Verfahren, Fehler

Wann ein Team selbst entscheiden sollte, wie stark du es beteiligst, welches Verfahren passt und welche fünf typischen Fehler Teamentscheidungen verderben.

Stand · David Rudolph, KI-gestützte Erstellung · rund 6 Minuten Lesezeit

Montag, 10:00 Uhr. Ina leitet ein Lebensmittellabor mit sieben Beschäftigten. Das alte Gerät für Rückstandsanalysen fällt immer öfter aus. Zwei Angebote liegen vor. Ina will, dass das Team entscheidet, denn es arbeitet täglich mit dem Gerät. In der Runde loben alle das günstigere Modell, das sie von einer Messe kennen. Nach zwanzig Minuten scheint die Sache klar. Eine junge Laborantin hat bisher nichts gesagt.

Beispiel frei erfunden.

Wann sollte ein Team entscheiden?

Ein Team sollte stark beteiligt werden, wenn es Wissen hat, das der Führungskraft fehlt, oder wenn es die Entscheidung später umsetzen muss. Victor Vroom beschreibt in seinem Modell, dass Alleinentscheiden ausscheidet, wenn der Führungskraft nötige Informationen fehlen. Umgekehrt ist eine Teamrunde überflüssig, wenn die Entscheidung klein ist und eine Person alles Nötige weiß.

Bei Ina sind beide Bedingungen erfüllt. Das Team bedient das Gerät täglich, und es muss mit der Wahl leben. Deshalb ist es richtig, das Team zu beteiligen. Offen ist nur, wie stark: beraten lassen, gemeinsam entscheiden oder ganz abgeben.

Welche Beteiligungsgrade gibt es?

Zwischen „ich entscheide allein“ und „ihr entscheidet allein“ liegen mehrere Stufen. Management 3.0 beschreibt sieben, für den Alltag reichen oft vier: informieren, beraten lassen, gemeinsam entscheiden und delegieren. Nenne die Stufe vorher. Wer ein Team um seine Meinung bittet und dann anders entscheidet, ohne vorher gesagt zu haben, dass er nur beraten werden wollte, verliert Vertrauen.

Vier Beteiligungsgrade

BeteiligungsgradWer entscheidetPasst, wennVerfahren im Team
InformierenFührungskraftZeit fehlt, Entscheidung ist kleinkeines
Beraten lassenFührungskraft nach AnhörungWissen liegt im Team, Verantwortung bleibt obenWissensrunde, Anhörung
Gemeinsam entscheidenFührungskraft und Teamalle müssen die Lösung tragenKonsens oder Konsent
DelegierenTeamRoutine, klare Grenzen, Erfahrung im Teamvom Team gewählt

Die Grade stehen in der Tabelle.

Dieselbe Frage, vier Arten, sie zu entscheiden.

Einordnung von T1Leaders, angelehnt an Vroom und Management 3.0.

Ina wählt „gemeinsam entscheiden“ und das Verfahren Konsent: Das Team schlägt ein Gerät vor, sie trägt die Entscheidung mit, sofern niemand einen begründeten Einwand hat. Wie Konsent abläuft, erklärt Konsens oder Konsent?. Für einzelne größere Entscheidungen mit mehreren Beteiligten hilft das DACI-Modell.

Wie kommt das verteilte Wissen auf den Tisch?

Gruppen sprechen bevorzugt über das, was ohnehin alle wissen. Was nur eine Person weiß, geht leicht unter. Garold Stasser und William Titus zeigten das 1985 in einem Experiment. Hatten alle Mitglieder dieselben Informationen, wählten 83 Prozent der Gruppen die beste Lösung. Waren die wichtigen Informationen verteilt, waren es nur 18 Prozent.

Ina setzt deshalb vor die Diskussion eine Wissensrunde. Jede Person schreibt in drei Minuten auf, was sie über die Geräte weiß, das die anderen vermutlich nicht wissen. Dann liest jede ihren Zettel vor, bevor jemand eine Meinung äußert. Die junge Laborantin hat bei ihrem früheren Arbeitgeber mit dem günstigeren Modell gearbeitet. Dort fielen die Ersatzteile oft wochenlang aus, weil der Hersteller nur ein Lager in Übersee hat.

Mit dieser Information ändert sich die Runde. Das Team fordert beim Hersteller eine Zusage zu Lieferzeiten an. Als die ausbleibt, fällt die Wahl auf das teurere Gerät. Die Laborantin hätte ohne die Wissensrunde vermutlich geschwiegen, weil die Mehrheit schon entschieden schien.

Typische Fehler

Welche Fehler machen Teamentscheidungen schlecht?

  • Unklar, wer entscheidet: Die Runde diskutiert, und am Ende fühlt sich niemand zuständig. Gegenmittel: Beteiligungsgrad vor der Diskussion nennen.
  • Verfahren erst am Ende wählen: Wer abstimmt, wenn ihm das Ergebnis passt, und sonst selbst entscheidet, verspielt Vertrauen. Gegenmittel: Verfahren an den Anfang.
  • Nur über Bekanntes reden: Wissen Einzelner geht unter. Gegenmittel: Wissensrunde vor der Diskussion.
  • Die Ranghöchste spricht zuerst: Andere richten sich nach ihrer Meinung. Gegenmittel: Führungskraft äußert sich zuletzt.
  • Zu schnelle Einigkeit: Niemand widerspricht, obwohl Zweifel da sind. Gegenmittel: eine Person beauftragen, Gegenargumente zu sammeln. Mehr dazu auf der Seite Gruppendenken.

Grenzen

Wo stoßen Teamentscheidungen an Grenzen?

  • Akute Gefahr: Dann entscheidet die zuständige Person sofort.
  • Fehlendes Mandat: Ein Team kann nur über das entscheiden, wofür es zuständig ist.
  • Zu große Runden: In großen Gruppen kommen viele nicht zu Wort. Eine kleinere Arbeitsgruppe mit Rückkopplung kann besser sein.
  • Angst vor Widerspruch: Ohne ein Klima, in dem Bedenken geäußert werden, bleibt jede Beteiligung Schein.
  • Organisationale Grenze: Budget und Befugnis. Das Team darf ein Gerät wählen, aber nur innerhalb eines Budgets, das von oben kommt. Schutz im Prozess: Rahmen vor der Runde offenlegen.

Gegenmittel

So entscheidet dein Team gut

  1. Beteiligungsgrad nennen: informieren, beraten lassen, gemeinsam entscheiden oder delegieren.
  2. Verfahren festlegen, bevor über den Inhalt gesprochen wird.
  3. Wissensrunde durchführen: Jede Person schreibt auf, was nur sie weiß.
  4. Als Führungskraft zuletzt sprechen.
  5. Ergebnis festhalten: Entscheidung, Gründe, offene Bedenken, nächster Prüftermin.

Situationsfrage

  1. Ein Vertriebsteam soll entscheiden, welcher Großkunde im nächsten Quartal Vorrang bekommt. In der Runde äußert die Bereichsleiterin zu Beginn, welchen Kunden sie bevorzugt. Danach stimmen alle zu. Was wäre besser gewesen?

    1. AGleich abstimmen lassen, um Zeit zu sparen.
    2. BVor der Diskussion jede Person aufschreiben lassen, was sie über die Kunden weiß, und die eigene Meinung erst am Ende äußern.
    3. CDie Entscheidung allein treffen, weil das Team ohnehin zustimmt.
    Auflösung anzeigen

    Antwort B. So kommt Wissen auf den Tisch, das sonst untergeht, und die Meinung der Ranghöchsten lenkt die Runde nicht vorab. Antwort A übergeht verteiltes Wissen. Antwort C verschenkt das Wissen des Teams, das die Kunden täglich betreut.

Häufige Fragen

Was ist partizipative Entscheidungsfindung?

Eine Entscheidung, an der die Betroffenen mitwirken, etwa durch Beratung oder eine gemeinsame Entscheidung. Wie stark die Beteiligung ist, sollte vorher feststehen.

Entscheiden Teams besser als Einzelne?

Das hängt davon ab, ob die Einzelnen ihr Wissen austauschen. Experimente zu verborgenen Profilen zeigen, dass Gruppen sonst die beste Lösung übersehen können.

Wie viele Personen sollten an einer Teamentscheidung beteiligt sein?

Für diese Seite liegt keine belegte Obergrenze vor. Als Arbeitsregel gilt: alle, die Wissen beitragen oder die Entscheidung umsetzen müssen, und nicht mehr.

Quellen

  1. Schulz-Hardt, S., Brodbeck, F. C., Mojzisch, A., Kerschreiter, R. und Frey, D. (2006). Group decision making in hidden profile situations: Dissent as a facilitator for decision quality. Journal of Personality and Social Psychology, 91, 1080-1093. Arbeitspapier LMU
  2. Stasser, G. und Titus, W. (1985). Pooling of unshared information in group decision making: Biased information sampling during discussion. Journal of Personality and Social Psychology, 48(6), 1467-1478.
  3. Vroom, V. H. (2004). Decision Making: The Vroom-Yetton-Jago Models. In: Encyclopedia of Leadership, SAGE, 322-325. SAGE Knowledge

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