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Methoden · Vertiefung

Abbruchkriterien festlegen

Wie du vor dem Start festlegst, wann du aufhörst, damit du später nicht an einem Projekt festhältst, weil schon so viel drinsteckt.

Stand · David Rudolph, KI-gestützte Erstellung · rund 7 Minuten Lesezeit

In 43 Sekunden erklärt

Abbruchkriterien: Wann ziehst du den Stecker?
Was im Video gesagt wird

Zwei Jahre investiert. Und jetzt aufhören?

Abbruchkriterien: Leg den Ausstieg vorher fest. Bevor viel investiert ist.

Kriterium 1, Messbar: Eine Zahl, kein Gefühl. (Schwelle)

Kriterium 2, Terminiert: Bis wann muss die Zahl stehen? (Stichtag)

Kriterium 3, Vorab beschlossen: Vor dem Start, nicht unterwegs. (Fixiert)

Der Stichtag: Die Zahl liegt darunter. Was jetzt?

Gegen den Sunk-Cost-Effekt: Kriterium verfehlt? Dann stopp. Egal, was schon drinsteckt.

Weiterlesen: Projekt stoppen: So legst du Kriterien fest.

T1Leaders. Wissen für Entscheidungen mit Folgen.

Ein Biohof mit eigenem Hofladen will einen Lieferservice für Gemüsekisten testen. Die Inhaberin Hanna rechnet mit 25.000 Euro für Kühlfahrzeug, Website und Werbung im ersten Halbjahr. Ihr Mann ist begeistert, Hanna auch. Gerade deshalb fragt sie sich: Woran merken wir rechtzeitig, dass es nicht klappt, bevor wir aus Stolz weitermachen?

Beispiel frei erfunden.

Warum muss die Stopp-Regel vor dem Start stehen?

Die Stopp-Regel muss vor dem Start stehen, weil sich das Urteil verändert, sobald Geld, Zeit und Stolz im Projekt stecken. Wer mitten in einem Projekt entscheidet, ob er aufhört, kämpft gegen das bereits Investierte.

Barry Staw zeigte das 1976 in einem Experiment mit 240 Studierenden der Betriebswirtschaft. Sie sollten Geld auf Unternehmensbereiche verteilen. Wer selbst eine Investition gewählt hatte, die danach schlecht lief, steckte anschließend am meisten zusätzliches Geld in diesen Bereich (Staw, 1976).

Ein Bild aus dem Alltag: Wer an der Bushaltestelle schon 20 Minuten gewartet hat, wartet oft noch 20 weitere, obwohl Laufen schneller wäre. Hätte er beim Ankommen festgelegt „nach zehn Minuten laufe ich“, wäre er längst zu Hause.

Mehr zum Festhalten an versunkenen Kosten findest du unter Sunk Cost Fallacy.

Dazu kommt ein zweiter Effekt. Wer ein Projekt angestoßen hat, möchte nicht als derjenige dastehen, der sich geirrt hat. Ein Abbruch fühlt sich dann wie ein Eingeständnis an. Eine vorher vereinbarte Regel nimmt diesen Druck: Wer stoppt, folgt einer Abmachung.

Wie formulierst du ein gutes Abbruchkriterium?

Ein gutes Abbruchkriterium hat vier Teile: eine messbare Größe, eine Schwelle, einen Prüftermin und eine Folge. Fehlt einer davon, lässt sich das Kriterium später wegdiskutieren.

Vorlage für Stopp-Regeln

GrößeSchwellePrüfterminFolge
Feste Abonnements für Gemüsekistenweniger als 60nach drei MonatenWerbung umstellen, nach sechs Monaten erneut prüfen
Feste Abonnements für Gemüsekistenweniger als 120nach sechs MonatenLieferservice beenden, Kühlfahrzeug verkaufen
Kosten je Lieferungüber 9 Euronach sechs MonatenLiefergebiet verkleinern oder Preis erhöhen

Kopiere die vier Spaltenüberschriften und fülle für dein Projekt zwei bis vier Zeilen aus.

Größe, Schwelle, Termin, Folge: Erst alle vier zusammen ergeben ein Kriterium.

Werte frei gewählt zur Veranschaulichung.

Hanna legt die Kriterien mit ihrem Mann und ihrer Steuerberaterin fest, bevor das Kühlfahrzeug gekauft wird. Sie schreiben auch auf, wer am Prüftermin die Zahlen vorlegt: die Steuerberaterin, die selbst keine Begeisterung für das Projekt mitbringt.

Drei Arten von Kriterien helfen. Ergebniskriterien messen, ob das Ziel näher rückt, etwa Abonnements oder Umsatz. Kostenkriterien begrenzen, was das Projekt verbrauchen darf, etwa Kosten je Lieferung oder Gesamtbudget. Annahmekriterien prüfen, ob eine tragende Annahme stimmt, etwa ob Kunden tatsächlich wöchentlich bestellen. Ein gutes Set enthält von jeder Art eines.

Achte darauf, dass die Folgen gestuft sind. Ein erstes Kriterium führt zur Anpassung, ein zweites zum Stopp. So bekommt ein Projekt eine faire Chance, ohne endlos weiterzulaufen.

MerksatzEin Kriterium ohne Zahl ist eine Absicht. Ein Kriterium ohne Termin ist ein Wunsch.

Was tust du, wenn ein Kriterium greift?

Wenn ein Kriterium greift, tritt die vereinbarte Folge ein, oder du begründest schriftlich, warum nicht. Der zweite Weg ist erlaubt, wenn die Begründung auf einer neuen Information beruht.

Hilfreich ist eine einfache Prüffrage: Würden wir dieses Projekt heute neu starten, mit dem Wissen von heute? Wenn die Antwort nein lautet, spricht viel für den Abbruch. Bei Hanna greift nach drei Monaten das erste Kriterium: 48 Abonnements. Hanna stellt die Werbung um, von Zeitungsanzeigen auf Aushänge in Kitas und Arztpraxen. Nach sechs Monaten sind es 131, der Service läuft weiter.

Wie du ein Projekt sauber beendest, wenn es so weit ist, steht unter Ein Projekt stoppen.

Grenzen

Wann helfen Abbruchkriterien nicht?

  • Bei falschen Größen: Wer nur misst, was leicht messbar ist, stoppt womöglich das Falsche. Die Zahl der Website-Besuche sagt wenig über Abonnements.
  • Bei zu frühen Prüfterminen: Manche Vorhaben brauchen Anlaufzeit. Ein Kriterium nach vier Wochen kann ein gutes Projekt töten.
  • Bei Kriterien ohne Daten: Liegen die Zahlen zum Termin nicht vor, verschiebt sich die Prüfung, bis niemand mehr fragt.
  • Bei nachträglich verschobenen Schwellen: Wer die Schwelle senkt, sobald sie gerissen wird, hat kein Kriterium.
  • Organisationale Grenze: die Schwelle, die niemand prüft. In manchen Unternehmen stehen Abbruchkriterien im Projektantrag und werden nie wieder angeschaut. Schutz im Prozess: Prüftermine stehen im Kalender der Geschäftsführung. Die Zahlen legt eine Person vor, die nicht das Projekt leitet. Eine Änderung der Schwelle braucht dieselbe Zustimmung wie der Projektstart.

Gegenmittel

So legst du Abbruchkriterien fest

  1. Ziel klären: Was soll das Projekt in welcher Zeit erreichen?
  2. Risiken sammeln: etwa mit einem Pre-Mortem im Team. Aus den Hauptrisiken leitest du messbare Größen ab.
  3. Zwei bis vier Kriterien formulieren, jedes mit Größe, Schwelle, Termin und Folge.
  4. Zuständigkeit festlegen: Wer legt die Zahlen vor, wer entscheidet?
  5. Unterschreiben lassen: Alle, die das Projekt freigeben, stimmen auch den Kriterien zu.

Übung

Übung am eigenen Fall

  1. Für die Einführung einer neuen Software im Kundenservice steht im Antrag: „Wenn die Software nicht angenommen wird, prüfen wir Alternativen.“ Welche Fassung ist ein brauchbares Abbruchkriterium?

    1. A„Wenn die Mitarbeitenden unzufrieden sind, reden wir darüber.“
    2. B„Wenn nach drei Monaten weniger als 70 Prozent der Anfragen über die Software laufen, stoppt die Leitung den Ausbau und lässt die Ursachen prüfen.“
    3. C„Wir beobachten die Nutzung genau.“
    Auflösung anzeigen

    Antwort B. Nur Antwort B nennt Größe, Schwelle, Termin und Folge. Antwort A und C lassen sich später beliebig auslegen.

Häufige Fragen

Was sind Abbruchkriterien im Projektmanagement?

Abbruchkriterien sind vorab festgelegte Bedingungen, bei denen ein Projekt gestoppt oder grundlegend überprüft wird. Sie machen die Entscheidung über das Ende planbar und schützen vor dem Festhalten an Verlustprojekten.

Wie viele Abbruchkriterien braucht ein Projekt?

Zwei bis vier reichen meist. Mehr Kriterien machen die Prüfung unübersichtlich und laden dazu ein, sich das passende auszusuchen.

Wer sollte die Abbruchkriterien festlegen?

Die Personen, die das Projekt freigeben, gemeinsam mit der Projektleitung. Die Projektleitung kennt die Größen, die Freigebenden achten darauf, dass die Schwellen nicht zu bequem ausfallen.

Ist ein Abbruch ein Scheitern?

Ein rechtzeitiger Abbruch nach einer vorher festgelegten Regel ist eine gute Entscheidung. Gescheitert ist eher ein Projekt, das ohne Grund weiterläuft und immer mehr kostet.

Quellen

  1. Staw, B. M. (1976). Knee-deep in the big muddy: A study of escalating commitment to a chosen course of action. Organizational Behavior and Human Performance, 16, 27-44. PDF bei gwern.net
  2. Sleesman, D. J., Conlon, D. E., McNamara, G. und Miles, J. E. (2012). Cleaning up the big muddy: A meta-analytic review of the determinants of escalation of commitment. Academy of Management Journal, 55(3), 541-562. DOI

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