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T1Leaders

Druck und Krise · Vertiefung

Krisenkommunikation: was, wann, wem, bei unklarer Lage

Wie du entscheidest, was du wem wann sagst, wenn noch vieles offen ist, und wie du ehrlich mit dem umgehst, was du noch nicht weißt.

Stand · David Rudolph, KI-gestützte Erstellung · rund 6 Minuten Lesezeit

Mittwoch, 11:20 Uhr. Tobias führt einen Hersteller von Fahrradhelmen mit 160 Beschäftigten. Ein Prüflabor meldet: Bei zwei Helmen einer Serie hat sich bei einem Falltest die Schale vom Innenteil gelöst. Ob es ein Fehler der ganzen Serie ist, zeigen weitere Tests frühestens am Freitag. Rund 9.000 Helme dieser Serie sind verkauft. Ein Händler hat schon nachgefragt, weil im Labor ein Bekannter arbeitet.

Beispiel frei erfunden.

Warum ist Kommunikation in der Krise eine Entscheidung?

Jede Nachricht in einer Krise ist eine Entscheidung mit Folgen. Wer zu früh spricht, verbreitet vielleicht Falsches. Wer zu spät spricht, überlässt das Feld den Gerüchten. Auch Schweigen sendet eine Botschaft. Die US-Gesundheitsbehörde CDC stellt deshalb zwei Grundsätze nebeneinander: Be First und Be Right, also früh und richtig.

Bei Tobias zeigt sich das sofort. Er könnte bis Freitag warten, bis die Tests klar sind. Dann erfahren die Händler es vielleicht von anderen. Er könnte sofort einen Rückruf verkünden, ohne zu wissen, ob die Serie betroffen ist. Beides sind Entscheidungen, und beide haben einen Preis.

Wer erfährt was wann?

Die Kommunikationsmatrix ordnet jeder Zielgruppe drei Angaben zu: Inhalt, Zeitpunkt und Absender. Als Faustregel gilt eine Reihenfolge von innen nach außen. Wer handeln muss oder direkt betroffen ist, erfährt es zuerst. Niemand im Unternehmen soll eine Krise aus der Zeitung erfahren.

Kommunikationsmatrix

ZielgruppeWasWannWer spricht
BeschäftigteLage, offene Fragen, was jetzt zu tun ist, wer Anfragen beantwortetvor allen anderenGeschäftsführung
HändlerVerdacht, Prüfungen laufen, vorläufige Empfehlung für den Verkaufam selben TagVertriebsleitung
Kundinnen und Kundenwas sie tun können, wo sie Antworten bekommensobald eine Handlungsempfehlung feststehtKommunikation, abgestimmt mit Geschäftsführung
BehördenSachstand nach geltenden Pflichtennach rechtlicher Prüfung, ohne VerzögerungGeschäftsführung mit Recht
MedienSachstand, Maßnahmen, nächste Informationauf Anfrage oder mit der Kundeninformationeine benannte Person

Die Matrix steht in der Tabelle.

Von innen nach außen, mit Uhrzeit und Absender.

Arbeitsregel von T1Leaders. Die Reihenfolge ist ein Richtwert und hängt von der Lage ab.

Tobias entscheidet um 13:00 Uhr nach Beratung mit der Krisenleitung. Um 14:00 Uhr informiert er alle Beschäftigten in einer kurzen Versammlung. Um 15:00 Uhr schreibt die Vertriebsleitung allen Händlern: Verdacht auf einen Fehler in einer Serie, Prüfungen laufen bis Freitag, Empfehlung: diese Serie vorerst nicht verkaufen. Die Rechtsabteilung klärt bis zum Abend, welche Stellen informiert werden müssen.

Eine wichtige Regel steht in der letzten Spalte: Für die Medien spricht eine Person. Der BBK-Leitfaden rät, vorab festzulegen, wer zu welchen Themen spricht. Die Rollen im Krisenstab findest du unter Krisenstab aufbauen.

MerksatzVon innen nach außen, und für jede Gruppe ein Name.

Wie gehe ich ehrlich mit Unsicherheit um?

Unsicherheit lässt sich gut beschreiben. Ein Muster aus vier Teilen hilft: was wir wissen, was wir noch nicht wissen, was wir tun und wann die nächste Information kommt. Der BBK-Leitfaden empfiehlt, bei Fragen ohne Antwort den Grund zu nennen und eine Aktualisierung mit Zeitangabe anzukündigen.

Tobias' Nachricht an die Händler folgt diesem Muster:

  • Wir wissen: Bei zwei Helmen der Serie hat sich bei einem Falltest die Schale gelöst.
  • Wir wissen noch nicht: Ob die ganze Serie betroffen ist, zeigen erst weitere Tests.
  • Wir tun: Weitere Tests laufen. Bitte die Serie vorerst nicht verkaufen.
  • Nächste Information: Freitag, 12:00 Uhr, auch wenn die Tests dann noch nicht abgeschlossen sind.

Der letzte Punkt trägt viel. Wer eine Uhrzeit nennt und sie einhält, kann Vertrauen gewinnen, auch ohne neue Fakten. Wie du beim Entscheiden mit fehlenden Informationen umgehst, erfährst du unter Fehlende Informationen.

Typische Fehler

Welche Fehler sind in der Krisenkommunikation typisch?

  • „Kein Kommentar“: Der BBK-Leitfaden lehnt den Satz ab, weil er nach Verheimlichung klingt.
  • Spekulieren: Mögliche Folgen auszumalen, bevor sie geprüft sind, erzeugt Angst oder falsche Hoffnung.
  • Schuld zuweisen und Versprechen machen, die sich nicht halten lassen. Beides nennt der Leitfaden ausdrücklich.
  • Viele Stimmen: Wenn mehrere Personen unabgestimmt sprechen, widersprechen sich die Aussagen.
  • Beschäftigte zuletzt: Wer seine Leute vergisst, hat bald hundert inoffizielle Sprecher.

Grenzen

Wo stößt die Kommunikationsmatrix an Grenzen?

  • Akute Gefahr: Dann haben Warnungen der Behörden und Anweisungen der Einsatzkräfte Vorrang.
  • Rechtliche Vorgaben: Meldepflichten und Fristen gehen der eigenen Reihenfolge vor. Die Rechtsabteilung prüft sie vorab für typische Lagen.
  • Soziale Medien: Informationen verbreiten sich manchmal schneller, als die Matrix es vorsieht. Dann verkürzt du die Reihenfolge.
  • Organisationale Grenze: Wer gibt frei? Muss jede Nachricht durch viele Hände, kommt sie zu spät. Schutz im Prozess: Freigabe auf zwei Personen begrenzen und Vorlagen vorbereiten.

Gegenmittel

So kommunizierst du in der Krise

  1. Matrix ausfüllen: Zielgruppe, Inhalt, Zeitpunkt, Absender.
  2. Beschäftigte zuerst informieren.
  3. Jede Nachricht nach dem Vier-Teile-Muster schreiben.
  4. Eine Stimme für die Medien benennen.
  5. Die angekündigte Uhrzeit einhalten, auch ohne neue Fakten.

Situationsfrage

  1. Ein Wasserversorger stellt bei einer Routineprobe einen auffälligen Wert fest. Die Gegenprobe kommt in sechs Stunden. Welche Nachricht an die betroffenen Haushalte ist am besten?

    1. A„Kein Kommentar, bis die Ergebnisse vorliegen.“
    2. B„Eine Probe war auffällig. Ob es ein Messfehler ist, wissen wir in sechs Stunden. Vorsorglich bitten wir, Leitungswasser abzukochen. Nächste Information heute um 18:00 Uhr.“
    3. C„Es besteht keinerlei Gefahr, alles ist in Ordnung.“
    Auflösung anzeigen

    Antwort B. Die Nachricht nennt, was bekannt ist, was offen ist, was zu tun ist und wann es Neues gibt. Antwort A klingt nach Verheimlichung. Antwort C verspricht etwas, das noch niemand weiß.

Testfragen

Wie gut ist deine Krisenkommunikation vorbereitet?

Denke an dein Unternehmen. Trifft die Aussage zu? Ja oder nein. Es gibt keinen Gesamtwert. Bei jedem Nein zeigt dir die Übung einen Ansatz.

  1. Wir wissen, wer in einer Krise für die Medien spricht.

    Antwort

    Ansatz: eine Person und eine Vertretung benennen.

  2. Unsere Kontaktlisten für Beschäftigte, Kunden und Partner sind aktuell.

    Antwort

    Ansatz: halbjährlich prüfen lassen.

  3. Für typische Lagen liegen Vorlagen nach dem Vier-Teile-Muster bereit.

    Antwort

    Ansatz: drei Vorlagen für die wahrscheinlichsten Lagen schreiben.

  4. Die Freigabe einer Nachricht dauert höchstens eine halbe Stunde.

    Antwort

    Ansatz: Krisenstab aufbauen

  5. Wir haben Krisenkommunikation schon einmal geübt.

    Antwort

    Ansatz: Die ersten 60 Minuten

Ein Reflexionswerkzeug ohne wissenschaftliche Validierung. Deine Antworten werden nicht gespeichert.

Häufige Fragen

Was sind die Grundsätze der Krisenkommunikation?

Die CDC nennt sechs: früh sein, richtig sein, glaubwürdig sein, Mitgefühl zeigen, zum Handeln befähigen und Respekt zeigen.

Wer sollte in einer Krise sprechen?

Eine vorab benannte Person mit Vertretung, abgestimmt mit der Krisenleitung. Bei schweren Krisen kann es sinnvoll sein, dass die Geschäftsführung selbst spricht.

Was sage ich, wenn ich etwas nicht weiß?

Dass du es nicht weißt, warum und wann du mehr sagen kannst. Dazu rät auch der BBK-Leitfaden.

Quellen

  1. Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (2008). Information der Öffentlichkeit über Strahlenrisiken: Krisenkommunikation für Verantwortliche im Katastrophenschutz. Deutsche Fassung von EPA-402-F-07-008. PDF über preparecenter.org
  2. Centers for Disease Control and Prevention (CDC). Crisis and Emergency Risk Communication (CERC): Radiation Emergencies. Faktenblatt CS330271-B. CDC

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