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Führung und Team · Vertiefung

Verantwortung übernehmen: Was heißt das als Führungskraft?

Was es für Führungskräfte heißt, Verantwortung zu übernehmen, wie sich Verantwortung von Schuld unterscheidet und wie das in drei typischen Lagen aussieht.

Stand · David Rudolph, KI-gestützte Erstellung · rund 6 Minuten Lesezeit

Dienstag, 9:10 Uhr. Ole leitet den IT-Support einer Hochschule mit acht Beschäftigten. In der Nacht hat ein Kollege ein Update für die Anmeldung eingespielt. Seit 8:00 Uhr kommen rund 400 Studierende nicht in das Prüfungssystem, die erste Online-Klausur beginnt um 10:00 Uhr. Die Kanzlerin ruft an und fragt: „Wer war das?“

Beispiel frei erfunden.

Was bedeutet Verantwortung übernehmen in der Führung?

Verantwortung übernehmen hat in der Führung zwei Seiten. Die erste betrifft die eigenen Entscheidungen: Du stehst dafür ein, was du entschieden hast, auch wenn es schiefgeht. Die zweite betrifft dein Team: Du stehst nach außen für das ein, was in deinem Verantwortungsbereich passiert, auch wenn du selbst den Fehler nicht gemacht hast.

Ole hat das Update nicht eingespielt. Trotzdem ist er für den Ablauf verantwortlich, nach dem Updates im Team eingespielt werden. Auf die Frage der Kanzlerin antwortet er: „Das Update kam aus meinem Team. Ich kümmere mich darum. In 20 Minuten sage ich Ihnen, ob die Klausur stattfinden kann.“

Dieser Satz enthält drei Teile, die zusammen Verantwortung ausmachen. Er erkennt den eigenen Bereich an. Er kündigt Handeln an. Und er nennt einen Zeitpunkt für die nächste Information.

MerksatzVerantwortung beginnt mit dem Satz „Das liegt in meinem Bereich.“

Wie unterscheiden sich Verantwortung und Schuld?

Schuld blickt zurück und sucht eine Person. Verantwortung blickt nach vorn und sucht eine Lösung. Beides kann zusammenfallen, muss aber nicht. Eine Führungskraft kann Verantwortung tragen, ohne Schuld zu haben, und eine Person kann einen Fehler gemacht haben, ohne dass die Schuldfrage weiterhilft.

BegriffBlickrichtungLeitfrageWirkung im Team
Verantwortungnach vornWas tun wir jetzt, und was ändern wir?Fehler werden gemeldet und behoben
SchuldzurückWer war es?Fehler werden verschwiegen oder abgeschoben
Rechenschaftzurück und nach vornWas ist passiert, und was haben wir daraus gemacht?Abläufe werden nachvollziehbar
HaftungrechtlichWer muss für den Schaden aufkommen?Klärung durch Vertrag oder Recht

Einordnung von T1Leaders. Haftung ist eine rechtliche Frage und wird hier nicht behandelt.

Amy Edmondson beschrieb 2011 in der Harvard Business Review, warum das Suchen nach Schuldigen das Lernen aus Fehlern behindert. Sie unterschied vermeidbare Fehler in eingespielten Abläufen, unvermeidbare Fehler in komplexen Systemen und kluge Fehler beim Ausprobieren von Neuem. Nur ein Teil davon verdient einen Vorwurf.

Bei Ole hat die Frage nach dem Fehler des Kollegen ihren Platz in der Nachbesprechung. Dort lautet sie besser: Warum konnte das Update ohne Test live gehen?

Wie sieht Verantwortung in drei Führungssituationen aus?

Die drei Fragen der Drei-Fragen-Probe helfen in vielen Lagen: Was war mein Anteil? Was tue ich jetzt? Was ändere ich, damit es nicht wieder passiert? Drei Situationen zeigen, wie unterschiedlich die Antworten ausfallen.

Drei Situationen, drei Antworten

SituationSchuld-ReaktionVerantwortungs-Reaktion
Ein Fehler aus dem Team„Das war Kollege X.“„Das kam aus meinem Team. Ich kümmere mich.“
Die eigene Fehlentscheidung„Die Zahlen waren falsch.“„Ich habe so entschieden. Heute würde ich anders vorgehen.“
Eine Entscheidung von oben„Ich finde das auch falsch, aber die da oben wollen es.“„Die Entscheidung ist gefallen. Ich erkläre sie und setze sie mit euch um.“

Die Situationen stehen in der Tabelle.

Dieselbe Lage, zwei Reaktionen, zwei verschiedene Teams danach.

Einordnung von T1Leaders.

Ein Fehler aus dem Team. Ole stellt sich vor seinen Kollegen. Nach außen spricht er vom Team. Intern klärt er mit dem Kollegen in Ruhe, was passiert ist. Als Änderung führt er ein: Updates nur noch nach Test in einer Kopie des Systems.

Die eigene Fehlentscheidung. Eine Bereichsleiterin hat einen Dienstleister ausgewählt, der nach drei Monaten nicht liefert. Sie sagt im Team: „Ich habe mich für diese Firma entschieden. Ich habe die Referenzen zu wenig geprüft.“ Sie kündigt den Vertrag und ändert die Auswahlregeln. Wie du eine Fehlentscheidung fair auswertest, steht unter Fehlentscheidungen.

Eine Entscheidung von oben. Ein Abteilungsleiter muss eine Sparrunde umsetzen, die er selbst kritisch sieht. Er hat seine Bedenken oben vorgebracht. Im Team erklärt er die Gründe und begleitet die Umsetzung, ohne sich zu distanzieren. Wie du solche Entscheidungen vermittelst, erklärt Unpopuläre Entscheidungen kommunizieren.

MerksatzNach außen schützt du dein Team. Nach innen klärst du den Fehler.

Was gehört zur Verantwortung für die eigene Entscheidung?

Zur Verantwortung für eine eigene Entscheidung gehören drei Dinge: die Entscheidung tatsächlich treffen, sie sichtbar machen und nach dem Ergebnis zu ihr stehen. Wer Entscheidungen verschleppt oder hinter Gremien versteckt, entzieht sich der Verantwortung, ohne es offen zu sagen.

Auch beim Delegieren bleibt ein Teil der Verantwortung bei dir. Du verantwortest den Rahmen: Ziel, Grenzen, Mittel und die Auswahl der Person. Die Person, an die du delegierst, verantwortet die Entscheidung innerhalb dieses Rahmens. Wie du das sauber aufteilst, zeigt Entscheidungen delegieren.

Verantwortung übernehmen fällt leichter, wenn du darauf vertraust, mit den Folgen umgehen zu können. Psychologen sprechen von Selbstwirksamkeit. Mehr dazu auf der Seite Selbstwirksamkeit.

MerksatzEntscheiden, sichtbar machen, dazu stehen.

Typische Fehler

Woran erkennst du fehlende Verantwortung?

  • Passiv sprechen: „Es wurden Fehler gemacht“ verschleiert, wer gehandelt hat.
  • Nach unten zeigen: Der Fehler wird nach außen einer Person aus dem Team zugeschoben.
  • Sich von oben distanzieren: „Ich kann da nichts machen“ macht die Führungskraft im Team unglaubwürdig.
  • Übernehmen ohne Ändern: „Ich übernehme die Verantwortung“ bleibt folgenlos, wenn sich nichts am Ablauf ändert.
  • Alles an sich ziehen: Wer jede Verantwortung allein trägt, nimmt dem Team die Gelegenheit, selbst Verantwortung zu lernen.

Gegenmittel

So übernimmst du Verantwortung

  1. Den eigenen Bereich benennen: „Das liegt in meinem Bereich.“
  2. Handeln ankündigen, mit Zeitpunkt der nächsten Information.
  3. Schuldfrage vertagen, bis die Lage stabil ist.
  4. Den eigenen Anteil prüfen: Entscheidung, Rahmen, Ablauf.
  5. Eine Änderung festlegen, damit es nicht wieder passiert.

Situationsfrage

  1. In einem Kundentermin stellt sich heraus, dass das Team einer Projektleiterin eine Frist versäumt hat. Der Kunde fragt verärgert, wie das passieren konnte. Welche Antwort passt am besten?

    1. A„Da hat ein neuer Kollege die Frist falsch eingetragen.“
    2. B„Die Frist ist in meinem Projekt verloren gegangen. Bis morgen 12 Uhr bekommen Sie einen neuen Plan, und ich zeige Ihnen, wie wir das künftig verhindern.“
    3. C„Solche Dinge passieren in jedem Projekt.“
    Auflösung anzeigen

    Antwort B. Die Antwort benennt den eigenen Bereich, kündigt Handeln mit Zeitpunkt an und verspricht eine Änderung. Antwort A schiebt den Fehler auf eine Person. Antwort C verharmlost und kündigt nichts an.

Testfragen

Wie viel Verantwortung lebst du vor?

Denk an die letzten Wochen. Trifft die Aussage zu? Ja oder nein. Es gibt keinen Gesamtwert. Bei jedem Nein zeigt dir die Übung einen Ansatz.

  1. Wenn in meinem Team etwas schiefgeht, spreche ich nach außen von „wir“.

    Antwort

    Ansatz: den Satz „Das liegt in meinem Bereich“ vorbereiten.

  2. Nach einem Fehler frage ich zuerst, was jetzt zu tun ist.

    Antwort

    Ansatz: die Schuldfrage bewusst auf die Nachbesprechung verschieben.

  3. Ich spreche offen über eigene Fehlentscheidungen.

    Antwort

    Ansatz: Fehlentscheidungen

  4. Entscheidungen von oben vertrete ich im Team, auch wenn ich sie kritisch sehe.

    Antwort

    Ansatz: Unpopuläre Entscheidungen kommunizieren

  5. Beim Delegieren kläre ich, wofür ich und wofür die andere Person verantwortlich ist.

    Antwort

    Ansatz: Entscheidungen delegieren

Reflexionswerkzeug, kein wissenschaftlich validierter Test. Deine Antworten werden nicht gespeichert.

Häufige Fragen

Was sind Beispiele für Verantwortung übernehmen?

Einen Fehler aus dem eigenen Team nach außen vertreten, eine eigene Fehlentscheidung offen benennen oder eine Entscheidung von oben im Team erklären und mittragen.

Wie lernt man, Verantwortung zu übernehmen?

Mit kleinen Schritten: den eigenen Anteil an Ergebnissen benennen, bei Fehlern zuerst nach der Lösung fragen und nach jeder größeren Entscheidung kurz festhalten, was du daraus lernst.

Muss eine Führungskraft für jeden Fehler im Team geradestehen?

Nach außen meist ja, für ihren Verantwortungsbereich. Nach innen wird geklärt, was passiert ist. Bewusstes Fehlverhalten kann dabei eigene Folgen haben.

Quellen

  1. Edmondson, A. C. (2011). Strategies for learning from failure. Harvard Business Review, April 2011. HBR

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