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Entscheidungen treffen · Vertiefung

Was ist eine Entscheidung? Definition und Arten

Was eine Entscheidung ausmacht, wie sie sich von Urteil und Entschluss unterscheidet und warum jede Art von Entscheidung ein anderes Vorgehen braucht.

Stand · David Rudolph, KI-gestützte Erstellung · rund 6 Minuten Lesezeit

Lena leitet die Nachtschicht in einem Paketverteilzentrum. Um 22:00 Uhr entscheidet sie, welche Sortierbänder laufen, wie jede Nacht. Um 23:00 Uhr wählt sie zwischen zwei Leiharbeitern für einen freien Platz. Um 1:00 Uhr muss sie zwischen pünktlicher Auslieferung und einer Pause für ein erschöpftes Team abwägen. Um 3:00 Uhr fällt ein Förderband aus, die Lkw warten. Vier Entscheidungen in einer Nacht. Sind sie alle gleich?

Beispiel frei erfunden.

Was macht eine Entscheidung aus?

Eine Entscheidung macht aus, dass jemand zwischen Möglichkeiten wählt und sich festlegt. Ohne Auswahl gibt es keine Entscheidung, etwa wenn ein Gesetz nur einen Weg zulässt. Ohne Festlegung auch nicht, etwa wenn eine Frage endlos offen bleibt.

Ein Bild aus dem Alltag: Im Supermarkt greifst du nach der Milch, die du immer kaufst. Hier handelst du aus Gewohnheit. Stehst du vor einem neuen Regal mit zehn Sorten, wird daraus eine Entscheidung.

Der Ökonom Herbert Simon beschrieb 1960 drei Phasen des Entscheidens: das Problem erkennen, Möglichkeiten entwerfen und eine davon wählen. Er unterschied außerdem zwischen Entscheidungen, die nach festen Regeln ablaufen, und solchen, die neu und unstrukturiert sind. Diese Unterscheidung steckt bis heute in vielen Modellen. Wie gute Entscheidungen im Ablauf entstehen, zeigt Entscheidungen treffen.

Zwei Punkte geraten leicht aus dem Blick. Erstens ist Nichtstun auch eine Option. Wer eine Frist verstreichen lässt, hat sich für den bisherigen Zustand entschieden, auch wenn es sich nicht so anfühlt. Zweitens entscheidet nicht immer eine einzelne Person. In Teams und Gremien fällt die Festlegung gemeinsam, nach einem vereinbarten Verfahren. Dann gehört zur Entscheidung auch die Frage, wer überhaupt entscheiden darf.

Bei Lena sind alle vier Fälle Entscheidungen im vollen Sinn. Sie hat jedes Mal ein Ziel, mindestens zwei Optionen und legt sich fest. Trotzdem fühlen sie sich völlig verschieden an. Das liegt an der Art der Entscheidung. Darum geht es weiter unten.

MerksatzZiel, Optionen, Festlegung. Fehlt eines davon, ist es keine Entscheidung im vollen Sinn.

Wie unterscheiden sich Entscheidung, Urteil und Entschluss?

Entscheidung, Urteil und Entschluss werden im Alltag oft gleich verwendet. Für gutes Entscheiden lohnt es sich, sie zu trennen. Ein Urteil schätzt ein, was ist oder was sein wird. Eine Entscheidung wählt, was getan wird. Ein Entschluss ist die innere Festlegung, es auch zu tun.

BegriffWas er beschreibtVerhältnis zur Entscheidung
EntscheidungWahl zwischen mindestens zwei Handlungsmöglichkeitender Begriff, um den es auf dieser Seite geht
UrteilEinschätzung, wie etwas ist oder wird, etwa eine PrognoseGrundlage der Entscheidung, die Wahl folgt erst danach
Entschlussinnere Festlegung, eine gewählte Handlung auszuführenfolgt der Entscheidung und verbindet sie mit der Umsetzung
GewohnheitHandlung, die ohne bewusste Wahl abläuftwar oft einmal eine Entscheidung, die sich eingeschliffen hat
ProblemlösungSuche nach einem Weg, ein Hindernis zu überwindenerzeugt oft die Optionen, zwischen denen dann entschieden wird

Bei Lena zeigt sich der Unterschied um 1:00 Uhr. Ihr Urteil lautet: Das Team ist erschöpft, die Fehlerquote steigt. Ihre Entscheidung: zehn Minuten Pause, auch wenn ein Lkw später fährt. Ihr Entschluss zeigt sich, als der Disponent anruft und sie dabei bleibt.

Die Trennung hilft auch bei der Fehlersuche. Ging eine Entscheidung schief, kann das Urteil falsch gewesen sein, die Wahl oder die Umsetzung. Wer das vermischt, zieht leicht die falsche Lehre, siehe Fehlentscheidungen verstehen.

MerksatzEin Urteil sagt, was ist. Eine Entscheidung sagt, was du tust.

Welche vier Arten von Entscheidungen gibt es?

Vier Arten lassen sich im Alltag gut unterscheiden: Routine, Wahl, Dilemma und Krise. Sie unterscheiden sich darin, wie klar die Lage ist, wie viel Zeit bleibt und ob Werte gegeneinander stehen. Die Einteilung ist eine Landkarte von T1Leaders.

Landkarte der Entscheidungsarten

ArtMerkmaleBeispiel bei LenaPassendes Vorgehen
Routinewiederkehrend, Lage bekannt, Folgen kleinwelche Sortierbänder laufenfeste Regel, kaum Nachdenken
Wahlmehrere Optionen, Kriterien lassen sich benennen, etwas Zeitwelcher Leiharbeiter den Platz bekommtOptionen nach Kriterien vergleichen
DilemmaWerte oder Ziele stehen gegeneinander, keine Option ist klar besserPünktlichkeit oder Pause für das TeamWerte offenlegen und abwägen
Krisewenig Zeit, hohe Unsicherheit, DruckFörderband fällt aus, Lkw wartenerst stabilisieren, dann prüfen

Lies die Tabelle und ordne eine eigene Entscheidung einer der vier Zeilen zu.

Erst die Art erkennen, dann das Vorgehen wählen.

Arbeitsmodell von T1Leaders. Manche Entscheidungen tragen Merkmale mehrerer Arten.

Ein ähnliches Modell stammt von David Snowden und Mary Boone. Ihr Cynefin-Modell unterscheidet unter anderem einfache, komplizierte, komplexe und chaotische Lagen. Für jede beschreiben sie ein eigenes Vorgehen. In chaotischen Lagen etwa heißt es: erst handeln, dann wahrnehmen, dann reagieren.

Mehr zum Cynefin-Modell steht auf der Seite Cynefin-Framework. Wie du in Lagen mit wenig Zeit entscheidest, zeigt Entscheiden unter Druck.

MerksatzWer eine Krise wie eine Routine behandelt, ist zu langsam. Wer eine Routine wie eine Krise behandelt, verschwendet Kraft.

Gegenmittel

So ordnest du deine Entscheidung ein

  1. Ziel, Optionen und Festlegung prüfen: Liegt überhaupt eine Entscheidung vor?
  2. Urteil und Entscheidung trennen: Was schätzt du ein, und was wählst du?
  3. Die Art bestimmen: Routine, Wahl, Dilemma oder Krise?
  4. Das passende Vorgehen wählen, mit der Landkarte oben.
  5. Bei Unsicherheit über die Lage nachlesen, etwa auf der Seite Entscheiden unter Unsicherheit.

Testfragen

Welche Art liegt vor?

Denke an eine Entscheidung, die gerade vor dir liegt. Trifft die Aussage zu? Ja oder nein. Es gibt keinen Gesamtwert. Bei jedem Ja zeigt dir die Übung die passende Art und einen Ansatz.

  1. Diese Entscheidung kommt regelmäßig wieder, und die Folgen sind klein.

    Antwort

    Ansatz: Routine. Lege eine feste Regel fest, siehe Entscheidungsregeln.

  2. Ich habe mehrere Optionen und kann benennen, woran ich sie messe.

    Antwort

    Ansatz: Wahl. Vergleiche die Optionen nach Kriterien, siehe Entscheidungsmatrix.

  3. Mir sind zwei Dinge wichtig, die sich hier nicht gleichzeitig erreichen lassen.

    Antwort

    Ansatz: Dilemma. Lege die Werte offen, siehe Schwere Entscheidungen treffen.

  4. Ich muss in Minuten handeln, und die Lage ist unübersichtlich.

    Antwort

    Ansatz: Krise. Erst stabilisieren, dann prüfen, siehe Entscheiden unter Druck.

Reflexionsübung, kein wissenschaftlich validierter Test. Deine Antworten werden nicht gespeichert.

Situationsfrage

  1. Ein Geschäftsführer behandelt die Frage, ob er die Arbeitszeiten für alle Beschäftigten ändert, wie eine Routine. Er entscheidet in fünf Minuten per Mail. Danach gibt es heftigen Widerstand. Was ist schiefgelaufen?

    1. ADie Beschäftigten sind zu empfindlich.
    2. BDie Frage war ein Dilemma mit widerstreitenden Interessen. Sie hätte eine offene Abwägung und Beteiligung gebraucht.
    3. CDie Mail war zu kurz.
    Auflösung anzeigen

    Antwort B. Arbeitszeiten berühren Interessen, die gegeneinander stehen können. Antwort A und C suchen die Ursache an der Oberfläche. Antwort B erkennt die falsche Einordnung.

Häufige Fragen

Was ist die Definition von Entscheidung?

Eine Entscheidung ist die Festlegung auf eine von mindestens zwei Handlungsmöglichkeiten, um ein Ziel zu erreichen. Dazu gehören ein Ziel, mehrere Optionen und die Festlegung.

Welche Entscheidungsarten gibt es im Unternehmen?

Häufig unterscheidet man strategische, taktische und operative Entscheidungen, je nach Reichweite und Zeithorizont. Quer dazu liegt die Einteilung auf dieser Seite: Routine, Wahl, Dilemma und Krise. Sie hilft bei der Frage, wie du vorgehst.

Was ist der Unterschied zwischen einer Entscheidung und einer Wahl?

Im Alltag meinen beide oft dasselbe. Auf dieser Seite ist die Wahl eine bestimmte Art von Entscheidung: mehrere Optionen, die sich nach Kriterien vergleichen lassen.

Was untersucht die Entscheidungstheorie?

Die Entscheidungstheorie fragt, wie Menschen entscheiden sollten und wie sie tatsächlich entscheiden. Mehr dazu auf der Seite Entscheidungstheorie.

Quellen

  1. Snowden, D. J. und Boone, M. E. (2007). A leader’s framework for decision making. Harvard Business Review, November 2007, 68-76. PDF ISBE
  2. Simon, H. A. (1960). The New Science of Management Decision. Zusammenfassung der drei Phasen: UBS Nobel Perspectives

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