Entscheidungen treffen · Vertiefung
Entscheidungsfreudiger werden: ein Vierwochenplan
Wie du in vier Wochen lernst, schneller und gelassener zu entscheiden, ohne leichtsinnig zu werden.
Daniel leitet ein Team von zwölf Beschäftigten im Kundenservice eines Mobilfunkanbieters. Sein Team mag ihn, aber es wartet oft auf ihn. Darf ein Kunde eine Gutschrift bekommen? Wird die Schicht getauscht? Daniel will es jedes Mal richtig machen und fragt nach, prüft, vertagt. In seiner Beurteilung steht: „Sollte entscheidungsfreudiger werden.“ Wie geht das?
Beispiel frei erfunden.
Was machen entscheidungsfreudige Menschen anders?
Entscheidungsfreudige Menschen geben sich oft mit einer Option zufrieden, die gut genug ist. Sie wissen, dass die Suche nach der perfekten Wahl Zeit kostet und oft trotzdem unzufrieden macht. Die Forschung um Barry Schwartz stützt das.
Ein Bild aus dem Alltag: Jemand grübelt im Restaurant fünf Minuten über die Karte und bereut dann, nicht das Gericht des Nachbarn genommen zu haben. Sein Essen ist so gut wie das von jemandem, der nach einer Minute bestellt. Die Freude daran ist kleiner.
MerksatzBei kleinen Fragen reicht oft eine Option, die gut genug ist.
Woran scheitern zögerliche Entscheider?
Zögerliche Entscheider behandeln oft jede Entscheidung, als wäre sie endgültig. Eine Gutschrift über 20 Euro bekommt dieselbe Prüfung wie eine Kündigung. Dazu kommt die Hoffnung, mit mehr Information werde die Wahl sicherer. Bei vielen Alltagsfragen bringt zusätzliche Information kaum etwas.
Daniel erkennt sich darin wieder. Bei Gutschriften fragt er jedes Mal seinen Bereichsleiter, obwohl er bis 50 Euro selbst entscheiden darf. Er fürchtet, dass jemand die Entscheidung später kritisiert. Was hinter solchen Sorgen stecken kann, erklärt Ich kann mich nicht entscheiden.
Ein zweiter Grund ist fehlendes Vertrauen in die eigene Wirksamkeit. Wer nicht glaubt, Folgen bewältigen zu können, meidet Entscheidungen. Dieses Vertrauen wächst durch kleine Erfolge, siehe Selbstwirksamkeit stärken.
MerksatzWer jede Entscheidung wie eine endgültige behandelt, hat für die endgültigen keine Kraft mehr.
Wie sieht der Vierwochenplan aus?
Der Plan steigert die Schwierigkeit von Woche zu Woche. Jede Woche hat eine Übung und eine Frage zur Auswertung. Notiere dazu jeden Tag kurz, was du entschieden hast und wie es sich angefühlt hat.
Vierwochenplan
| Woche | Übung | Beispiel bei Daniel | Frage zur Auswertung |
|---|---|---|---|
| 1 | Alltagsentscheidungen in unter einer Minute treffen: Essen, Kleidung, Reihenfolge der Aufgaben | wählt das Mittagessen, ohne die Karte zweimal zu lesen | Was ist passiert, wenn die Wahl nicht perfekt war? |
| 2 | Für jede berufliche Entscheidung vorab eine Frist setzen und einhalten | entscheidet über einen Schichttausch bis 14:00 Uhr am selben Tag | Wie viele Fristen hast du gehalten? |
| 3 | Bei umkehrbaren Fragen die erste Option nehmen, die zwei Mindestkriterien erfüllt | Gutschriften bis 50 Euro selbst entscheiden, wenn Kunde und Fall die Kriterien erfüllen | Wie oft musstest du eine Entscheidung zurücknehmen? |
| 4 | Eine Teamentscheidung vor allen treffen und begründen | entscheidet im Teammeeting über die neue Pausenregelung | Wie hat das Team reagiert? |
Übertrage die vier Zeilen in deinen Kalender, je eine pro Woche.
Übungsplan von T1Leaders, wissenschaftlich nicht als Intervention geprüft.
Nach Woche 3 zählt Daniel nach. Von 31 Gutschriften hat er eine zurückgenommen. Die Kundenbeschwerden sind gleich geblieben, die Wartezeit für sein Team ist gesunken. Mit dieser Zahl im Kopf fällt ihm Woche 4 leichter.
MerksatzKleine Entscheidungen sind das Training für große.
Wie bemerkst du Fortschritt?
Fortschritt bemerkst du an drei Zeichen: Du hältst deine Fristen, nimmst selten eine Entscheidung zurück, und das Gefühl danach ist ruhiger. Die Notizen aus den vier Wochen machen das sichtbar. Ohne Notizen erinnerst du dich leicht vor allem an die eine Entscheidung, die schiefging.
Hilfreich ist eine Frage an das Team nach vier Wochen: „Wartet ihr seltener auf mich?“ Die Antwort ergänzt deine eigene Einschätzung. Wer langfristig dranbleiben will, hält wichtige Entscheidungen im Entscheidungsjournal fest.
Grenzen
Wo kippt Entscheidungsfreude in Leichtsinn?
- Bei endgültigen Entscheidungen: Eine Kündigung, ein großer Vertrag oder eine Investition verdient Zeit. Der Plan gilt für umkehrbare Fragen.
- Bei fehlender Zuständigkeit: Wer schneller entscheidet, als er darf, verliert Vertrauen. Kläre vorher, was in deiner Befugnis liegt.
- Bei Warnzeichen: Wenn eine Option ein ungutes Gefühl auslöst, das du benennen kannst, prüfe es, bevor du entscheidest.
- Bei großer Tragweite für andere: Was andere stark trifft, braucht deren Sicht, auch wenn das langsamer ist.
- Organisationale Grenze: Schnelligkeit als Statussymbol. In manchen Unternehmen gilt schnelles Entscheiden als Zeichen von Führungsstärke, und Zögern wird belächelt. Dann fallen auch große Entscheidungen zu schnell. Schutz im Prozess: Für Entscheidungen über einer festen Schwelle gilt eine Mindestprüfung, etwa zwei Optionen und ein Pre-Mortem.
Gegenmittel
So startest du
- Zuständigkeit klären: Welche Entscheidungen darfst du allein treffen? Schreibe die Grenzen auf.
- Umkehrbar oder endgültig? Teile deine typischen Entscheidungen in diese zwei Gruppen.
- Den Plan in den Kalender eintragen, eine Übung pro Woche.
- Täglich eine Zeile notieren: Was hast du entschieden, wie fühlte es sich an?
- Nach vier Wochen auswerten und eine Regel für wiederkehrende Fragen festlegen, siehe Entscheidungsregeln.
Situationsfrage
Du hast dir vorgenommen, entscheidungsfreudiger zu werden. Heute stehen zwei Fragen an: Ein Kollege will seinen Urlaub um eine Woche verschieben, das Team ist ausreichend besetzt. Und ein Lieferant bietet einen Vertrag über fünf Jahre mit hohem Rabatt an. Was tust du?
- ABeide sofort entscheiden, um zu üben.
- BDen Urlaub sofort genehmigen, für den Vertrag zwei Angebote vergleichen und eine Frist von einer Woche setzen.
- CBeide vertagen, bis du mehr weißt.
Auflösung anzeigen
Antwort B. Der Urlaub ist umkehrbar und unkritisch, der Vertrag bindet fünf Jahre. Antwort A übt an der falschen Stelle. Antwort C fällt in das alte Muster zurück. Antwort B trennt umkehrbar von endgültig.
Häufige Fragen
Ist Entscheidungsfreude angeboren?
Menschen unterscheiden sich in ihrer Neigung, die beste Option zu suchen. Das Verhalten lässt sich aber üben, etwa durch Fristen und Mindestkriterien. Wie weit sich die Neigung selbst verändert, ist offen.
Wie werde ich als Führungskraft entscheidungsfreudiger?
Kläre zuerst, was du allein entscheiden darfst. Dann setze dir für jede Entscheidung eine Frist und nenne sie dem Team. Für wiederkehrende Fragen helfen feste Regeln, damit du nicht jedes Mal neu überlegst.
Was tun, wenn ich nach einer schnellen Entscheidung zweifle?
Prüfe, ob neue Information vorliegt. Wenn ja, darfst du korrigieren. Wenn nein, ist der Zweifel ein Gefühl, das oft nach einigen Tagen nachlässt. Die Erfahrung, dass es gut ging, stärkt das Vertrauen für das nächste Mal.
Quellen
- Schwartz, B., Ward, A., Monterosso, J., Lyubomirsky, S., White, K. und Lehman, D. R. (2002). Maximizing versus satisficing: Happiness is a matter of choice. Journal of Personality and Social Psychology, 83(5), 1178-1197. PDF
- Iyengar, S. S., Wells, R. E. und Schwartz, B. (2006). Doing better but feeling worse: Looking for the „best“ job undermines satisfaction. Psychological Science, 17(2), 143-150. PDF Columbia Business School
Vormerkliste
Neues zuerst erfahren
Trag dich ein, dann erfährst du zuerst, wenn es im Themenfeld „Entscheidungen treffen“ Neues gibt und wann das Training für Führungsteams buchbar ist. Wir schreiben nur, wenn es etwas Neues gibt.