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Methoden · Vertiefung

Eisenhower-Matrix: Vorlage, Beispiele und Grenzen

Wie du Aufgaben nach wichtig und dringend sortierst und woran du erkennst, wann ein Punkt auf deiner Liste eine Entscheidung ist.

Stand · David Rudolph, KI-gestützte Erstellung · rund 7 Minuten Lesezeit

Montag, 7:45 Uhr. Matthias leitet das Bauamt einer Kleinstadt. Auf seiner Liste stehen vierzehn Aufgaben: eine Beschwerde über eine Baustelle, die Vorlage für den Bauausschuss am Donnerstag, ein Mitarbeitergespräch, das er seit Wochen verschiebt, drei Rückrufe. Dazu die Frage, ob das Amt im nächsten Jahr eine Stelle für Digitalisierung beantragt. Er nimmt sich die Eisenhower-Matrix vor. Hilft sie ihm bei allen vierzehn Punkten?

Beispiel frei erfunden.

Was bedeuten die vier Felder?

Die vier Felder sagen dir, was mit einer Aufgabe passiert: erledigen, einplanen, abgeben oder streichen. Wichtig heißt dabei: Die Aufgabe bringt dich deinem Ziel näher. Dringend heißt: Sie hat eine nahe Frist oder jemand wartet.

FeldMerkmaleWas du tustBeispiel bei Matthias
Awichtig und dringendheute selbst erledigenVorlage für den Bauausschuss am Donnerstag
Bwichtig, nicht dringendTermin im Kalender blockenMitarbeitergespräch, Stellenantrag Digitalisierung
Cdringend, nicht wichtigabgeben oder bündelndrei Rückrufe, die eine Sachbearbeiterin klären kann
Dweder nochstreichenNewsletter eines Softwareanbieters lesen

Ein Bild aus dem Alltag: Der Zahnarzttermin zur Vorsorge ist wichtig und nie dringend. Er wird erst dringend, wenn der Zahn schmerzt. Dann ist er teurer und unangenehmer. Feld B ist das Feld der Vorsorge.

Wie du feste Zeiten für Feld B in deinen Alltag einbaust, zeigt die Seite Selbstführung: Routinen, die gute Entscheidungen tragen.

MerksatzFeld B entscheidet über deine nächsten Monate. Feld A nur über deinen heutigen Tag.

Wie sieht die Matrix im Führungsalltag aus?

Im Führungsalltag landen in Feld A meist Termine mit Frist von außen, in Feld B Gespräche, Planung und Entwicklung, in Feld C Anfragen anderer. Die Beispiele zeigen typische Zuordnungen. Sie hängen aber immer von deinem Ziel ab.

AufgabeFeldBegründung
Monatsabschluss bis Freitag an das ControllingAfeste Frist, Folgen für andere Bereiche
Einarbeitungsplan für die neue KolleginBwirkt über Monate, keine Frist von außen
Feedbackgespräch nach einem Konflikt im TeamBwird teurer, je länger es wartet
Terminanfrage eines Anbieters für eine ProduktvorführungCjemand wartet, bringt dein Ziel kaum voran
Protokoll einer Runde, an der du nur zuhörstC oder Dabgeben oder prüfen, ob es überhaupt jemand braucht

Zuordnung als Beispiel. Mit einem anderen Ziel kann dieselbe Aufgabe in ein anderes Feld gehören.

Viele Führungsaufgaben stehen in Feld B. Gespräche, Einarbeitung und Planung haben selten eine Frist. Sie werden deshalb leicht von Rückrufen und Anfragen verdrängt, bis aus einem Gespräch ein Konflikt geworden ist.

Matthias sortiert so: Die Vorlage für Donnerstag kommt in Feld A. Das Mitarbeitergespräch und der Stellenantrag kommen in Feld B, mit je einem Termin in dieser Woche. Zwei Rückrufe gibt er an eine Sachbearbeiterin ab.

Warum gewinnt das Dringende so oft?

Das Dringende gewinnt, weil eine Frist Aufmerksamkeit erzeugt, auch wenn die Aufgabe wenig bringt. Diese Neigung ist in Experimenten nachgewiesen.

Meng Zhu, Yang Yang und Christopher Hsee ließen Teilnehmende 2018 in fünf Experimenten zwischen Aufgaben wählen. Viele wählten eine Aufgabe mit naher Frist und kleinerer Belohnung, obwohl eine andere Aufgabe mehr einbrachte. Der Effekt war bei Menschen stärker, die sich selbst als sehr beschäftigt sahen. Ein Hinweis auf die Belohnungen im Moment der Wahl schwächte ihn ab (Zhu, Yang und Hsee, 2018).

Für Matthias heißt das: Die drei Rückrufe fühlen sich drängender an als der Stellenantrag. Ohne Matrix würde er wahrscheinlich mit den Rückrufen anfangen.

MerksatzEine Frist macht eine Aufgabe dringend. Wichtig macht sie erst dein Ziel.

Grenzen

Wo versagt die Matrix bei echten Entscheidungen?

Die Matrix sortiert Aufgaben. Eine Entscheidung ist eine Wahl zwischen Optionen. Abhaken lässt sie sich erst, wenn gewählt ist. Bei Matthias ist der Stellenantrag so ein Fall: Die Matrix sagt ihm, dass er ihn einplanen soll. Ob er die Stelle beantragt, sagt sie nicht.

  • Sie vergleicht keine Optionen: „Wichtig“ ist ein Etikett für eine Aufgabe. Für die Bewertung von Alternativen brauchst du ein Werkzeug wie die Entscheidungsmatrix.
  • Wichtig bleibt undefiniert: Wer kein klares Ziel hat, sortiert nach Gefühl. Dann landen unangenehme Aufgaben gern in Feld D.
  • Dringlichkeit ist oft gemacht: Viele Fristen setzt jemand anders, manchmal ohne Not. Die Matrix fragt nicht, ob eine Frist verhandelbar ist.
  • Abgeben setzt jemanden voraus: Wer kein Team hat oder dessen Team überlastet ist, kann Feld C nicht leeren.
  • Feld B wird zum Parkplatz: Wichtige Entscheidungen werden eingeplant und immer wieder verschoben. Was gegen dieses Aufschieben hilft, steht auf der Seite Entscheidungsmüdigkeit.
  • Organisationale Grenze: Dringlichkeit als Machtmittel. In manchen Organisationen wird jede Bitte als dringend markiert, damit sie vorgezogen wird. Die Matrix wird dann zum Spiegel der lautesten Stimmen. Schutz im Prozess: Im Team vereinbaren, was als dringend gilt, etwa nur Fristen von außen oder Gefahr für Personen. Alles andere bekommt einen Termin.

Gegenmittel

So nutzt du die Matrix richtig

  1. Ziel aufschreiben: Was willst du in diesem Quartal erreichen? Daran misst du „wichtig“.
  2. Aufgaben einsortieren, dabei jede Wahl zwischen Optionen gesondert markieren.
  3. Feld B zuerst in den Kalender: feste Termine, die du wie Kundentermine behandelst.
  4. Feld C bündeln oder abgeben, Feld D streichen, ohne schlechtes Gewissen.
  5. Entscheidungen mit eigenem Werkzeug bearbeiten, etwa mit der 10-10-10-Methode, wenn es um Folgen geht, oder einer Entscheidungsmatrix, wenn Optionen zu vergleichen sind.

Übung

Übung am eigenen Fall

  1. Auf deiner Liste steht: „Klären, ob wir die Messe im Frühjahr machen oder das Budget in Online-Werbung stecken.“ Was tust du damit?

    1. AIn Feld B einsortieren und einen Termin im Kalender blocken. Damit ist der Punkt erledigt.
    2. BAls Entscheidung markieren, einen Termin blocken und für diesen Termin die Optionen mit einer Entscheidungsmatrix vergleichen.
    3. CIn Feld C einsortieren und an das Marketing abgeben.
    Auflösung anzeigen

    Antwort B. Antwort A plant die Entscheidung ein und lässt offen, wie sie getroffen wird. Antwort C gibt eine Budgetentscheidung ab, die meist bei der Leitung liegt. Antwort B nutzt die Matrix für den Zeitpunkt und ein anderes Werkzeug für die Wahl.

Häufige Fragen

Gibt es eine Vorlage für die Eisenhower-Matrix?

Als Vorlage reicht ein Blatt mit einem Kreuz. Oben „wichtig“, unten „nicht wichtig“, links „dringend“, rechts „nicht dringend“. Noch mehr zählt das Ziel, an dem du „wichtig“ misst. Schreibe es über die Matrix.

Hat Eisenhower die Matrix selbst erfunden?

Belegt ist ein Satz aus einer Rede vom August 1954, in dem Eisenhower einen früheren College-Präsidenten zitierte. Die Vierfeldertafel selbst wurde später von anderen ausgearbeitet und bekannt gemacht.

Was mache ich, wenn alles wichtig und dringend ist?

Dann fehlt meist ein klares Ziel oder es gibt zu wenig Personal. Frage deine Führungskraft, welche zwei Aufgaben Vorrang haben. Oder prüfe bei jeder Frist, ob sie verhandelbar ist.

Quellen

  1. Quote Investigator (2014). What Is Important Is Seldom Urgent and What Is Urgent Is Seldom Important. Rede Eisenhowers vor der Zweiten Vollversammlung des Weltkirchenrats, Northwestern University, Evanston, 19. August 1954. quoteinvestigator.com
  2. Zhu, M., Yang, Y. und Hsee, C. K. (2018). The mere urgency effect. Journal of Consumer Research, 45(3), 673-690. Bericht: Johns Hopkins University, Hub, 31.05.2018

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